Ein Tag zum Vergessen

VfB Auerbach – 1.FC Lokomotive Leipzig 1:4 (0:1)

Die Ansage war klar: VfB-Manager Volkhardt Kramer hatte vor dem Spiel der dritten Runde des Sachsenpokals in Richtung des VfB-Teams seine Erwartung ausgedrückt. Nur mit einer außerordentlich guten Leistung habe der VfB gegen den Regionalliga-Konkurrenten 1.FC Lokomotive Leipzig eine Chance. Die Worte verhallten ungehört. Denn die Auerbacher Spieler riefen bei der 1:4-Heimniederlage am Samstag nichts davon ab. Statt eines Auftritts an der Leistungsgrenze blieb das Team – individuelle und auch in der Gesamtheit – unter den Möglichkeiten. Angesichts der 90-Prozent-Leistung statt eines 120-Prozent-Auftritts fiel die Niederlage völlig verdient aus. „Leipzig hat verdient gewonnen“, gestand auch VfB-Coach Sven Köhler.

Wie kam es nur zu diesem enttäuschenden Auftritt des VfB? Die Anzahl der Faktoren ist groß. Nummer 1 war das Auftreten. Lok war es von Beginn an anzumerken, dass sie die Derby-Schmach aus der Vorwoche so schnell wie möglich aus den Köpfen bekommen wollten. Leipzig nahm den Kampf an – auch über die Grenzen des Erlaubten hinaus. „Wir haben uns von der Aggressivität beeindrucken lassen“, sagte Auerbachs Philipp Müller. Und das, obwohl Auerbach genau das erwartet hatte. „Eine Überraschung war es nicht“, sagt Müller. „Aber irgendwie haben wir den Kampf trotzdem nicht angenommen.“ Auch Auerbach hätte nach dem 0:2 beim BFC Dynamo allen Grund dazu gehabt, ein anderes Gesicht den VfB-Fans zu zeigen.

Doch Auerbach kam nicht in die Zweikämpfe, die entscheidenden Duelle gingen meist zugunsten der Gäste aus. Und so gewann Leipzig nicht nur Zentimeter um Zentimeter auf dem Spielfeld, sondern auch das Selbstbewusstsein einer zuvor recht erfolgreichen Saison zurück. Hingegen verlor die Auerbacher Elf spürbar das Selbstvertrauen – oder ließ sich zusätzlich auch noch aus der Konzentration bringen. Der Mann, der daran einen entscheidenden Anteil hatte, war der Unparteiische, der einen noch schlechteren Tag erwischte als die Auerbacher Elf. „Ich tue mich mit solchen Worten schwer“, sagte VfB-Coach Köhler. „Aber der Schiedsrichter war dem Spiel heute nicht gewachsen.“ Jens Klemm bewertete von Anfang an Foulsituationen ungleich, hatte keine Linie – und noch viel schlimmer: Er lag bei seinen persönlichen Strafen völlig daneben. Leipzigs Pfeffer hätte schon in der ersten Halbzeit nach einer Tätlichkeit mit Rot vom Feld gemusst, eine ähnliche Aktion gab es auch noch nach der Pause. Köhler: „Leipzig hätte das Spiel wahrscheinlich auch so gewonnen und es soll auch keine Entschuldigung sein, aber dennoch bleibt ein fader Beigeschmack bei diesem Spielverlauf.“

Als sich Auerbach schon mit den ungewöhnlichen Schiedsrichter-Entscheidungen befasst, fiel das 0:1. Mal wieder ein Sonntagsschuss. Nach den Gegentoren aus der zweiten Reihe in Meuselwitz und in Berlin sind Fernschüsse mittlerweile der Erfolgsgarant gegen den VfB. „Irgendwann ist das kein Zufall mehr“, sagt Müller. In diesem Fall fiel Salewskis Schuss aus 23 Metern genau in den Winkel. Maximilian Schlosser war chancenlos. Selbst das 0:1 hätte den VfB noch nicht aus dem Wettbewerb werfen müssen. „Knackpunkt waren die beiden schnellen Gegentore nach der Pause“, analysiert Köhler. Lok machte kurzen Prozess: Immer, wenn Auerbach zu einer Offensive ansetzte, konterte Leipzig die Gastgeber aus. „Sicherlich hat Lok die Qualität für diese Tore“, merkt Köhler an, „aber mir fallen die Gegentore auch zu einfach. Die müssen wir besser verteidigen.“ Bestes Beispiel: Gerade als Paul Horschig den 1:3-Anschlusstreffer erzielt hatte, war Auerbach nach dem Anpfiff unsortiert genug, um sofort das 1:4 zu kassieren. „Wir stellen uns zu naiv an“, sagt Abwehrspieler Müller. „Wir unterschätzen die Gefahr der Situationen.“ Ein Problem, dass das VfB-Team schon zu Saisonbeginn hatte. „Es hilft nichts, wir müssen nun weitermachen und weiter an uns glauben.“ Und vielleicht auch aufmerksamer auf die Worte des Managers hören.

Statistik

Tore: 0:1 Salewski (28.), 0:2 Ziane (54.), 0:3 Pfeffer (61.), 1:3 Wurr (69.), 1:4 Ziane (70.).

Auerbach: Max. Schlosser – Seb. Schmidt, Müller, M. Sieber/V, Morosow/V (61. T. Sieber) – Horschig – Kadric, Wurr/V (61. Baude), Mar. Schlosser/V, Stock – Zimmermann.

1.FC Lok Leipzig: Wenzel – Berger (74. Pannier), Zickert, Urban, Heynke – Salewski, Wolf (72. Hajrulla) – Schinke, Pfeffer/V (81. Senic) – Steinborn/V, Ziane.

Zuschauer: 1.075.

Schiedsrichter: Klemm (Gröditz).