VfB will seine Chance wahren

Amer Kadric ist keiner, der den Kopf schnell in den Sand steckt. Der Auerbacher Mittelfeldspieler ist innerhalb des Teams bekannt dafür, dass er stets gute Laune verbreitet. Er denkt positiv. Genau das benötigt der VfB Auerbach auch im Moment. Denn die Vogtländer stecken tief im Abstiegskampf der Fußball-Regionalliga – und jetzt kommt mit dem Chemnitzer FC auch noch der Tabellenführer ins VfB-Stadion. Anstoß des Derbys ist am Mittwoch um 19 Uhr.

Es ist daher auch nicht überraschend, dass ausgerechnet Kadric das Wort übernimmt. Chemnitz? „Über den CFC muss ich nicht viel sagen“, sagt der 24-Jährige. „Jeder weiß, wie stark sie sind.“ Aber – er bleibt bei seinem Optimismus. „Wir haben in dieser Saison bereits gezeigt, dass wir es können. Warum nicht am Mittwoch?“ Zum Beispiel in Hinspiel hatte der VfB eine starke Leistung gezeigt – und hatte den Favoriten im eigenen Stadion am Rande eines Unentschiedens. „Mit ein bisschen Glück bekommen wir diesmal auch die Belohnung“, sagt Kadric.

Dabei treffen zwei kriselnde Klubs aufeinander: Während es bei Auerbach sportlich zuletzt nicht unbedingt gut lief – drei Niederlagen in Serie trübten die vielversprechenden Start ins Kalenderjahr –, sind die Himmelblauen eher neben dem Platz negativ in den Schlagzeilen. Dass aber auch der CFC nicht unschlagbar ist, bewiesen zuletzt Lok Leipzig (4:2-Sieg) und die VSG Altglienicke (4:4). Warum nun nicht Auerbach? „Wir gehen wieder mit Leidenschaft und Herz ins Spiel, wollen alles geben und versuchen, die Punkte bei zu lassen“, erklärt Kadric.

Allerdings stellt sich schon die Frage, ob die Rückschläge der letzten Wochen Wunden hinterlassen haben. Zum Beispiel die unglückliche 0:3-Niederlage in Nordhausen am Sonntag. Kadric sieht es anders: „Wir müssen kämpferisch ins nächste Spiel gehen und vergessen, was am Wochenende passiert ist. Egal, wie die Niederlage zustandekam – ob durch unsere Fehler oder den Schiedsrichter.“ In Nordhausen waren es wohl eher zwei strittige Schiedsrichterentscheidungen, die zum 0:2-Rückstand und damit der Niederlage führten. Das sollte sich gegen Chemnitz nicht wiederholen, andernfalls wird es für den VfB trotz allem Optimismus erneut schwer. Zudem sollte der VfB sich weniger individuelle Fehler leisten. Kadric kennt das Problem. Aber: „Natürlich passieren immer mal wieder Fehler und du verlierst drei Mal in Folge, aber du darfst deshalb nicht aufgeben. Wir merken auch im Training, dass jeder will. Jeder gibt sein Maximum und die Mannschaft hat Mentalität.“ Ob allein das genug gegen den voraussichtlichen Regionalliga-Meister ist, wird sich am Mittwochabend zeigen. Zumindest wird sich personell nicht viel ändern.

 

Auch neben dem Platz ändert sich etwas beim VfB: Gegen Chemnitz ist erstmals die Gäste-Tribüne auf der Gegengeraden offen. Das Spiel gibt es im Livestream beim MDR.

Zwei umstrittene Elfmeter bringen den VfB um den Lohn

Wacker Nordhausen – VfB Auerbach 3:0 (1:0)

Ausgerechnet Marcin Sieber. Noch vor einer Woche musste der Auerbacher Defensivspieler bei der bitteren 2:3-Heimniederlage zuschauen, weil er zuvor seinen fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Beim Auswärtsspiel bei Wacker Nordhausen am Sonntag war er wieder spielberechtigt. „Bei unserer engen personellen Situation ist es immer gut, wenn ein Stammspieler zurückkehrt“, hatte sich auch VfB-Coach Sven Köhler über die Rückkehr des Abwehrspielers gefreut. Doch in Nordhausen wurde Sieber zum tragischen Spieler des VfB. Zwei seiner Aktionen führten dazu, dass der VfB die Partie mit 0:3 verlor. Dabei war er – zumindest in einer Szene – schuldlos.

Denn erneut brachten die Vogtländer zwei unglückliche Situationen um den verdienten Lohn. Bei den starken Nordhäusern wäre der Lohn durchaus drin und auch verdient gewesen. Denn Auerbach zeigte eine Reaktion nach dem Rückschlag gegen Rathenow. Sven Köhler hatte beinahe dieselbe Startelf aufs Feld geschickt – eben bis auf Sieber, für ihn blieb Sebastian Schmidt auf der Bank. Sie sollten Wiedergutmachung leisten. Und von Beginn an war dieses Vorhaben zu spüren. Auerbach setzte genau das um, was das Team zu leisten imstande ist: konzentrierte Defensivarbeit und gefährliche Gegenstöße. „Es war eine ausgeglichene erste Hälfte“, sagte Köhler. „Wir hatten vielleicht sogar mehr Abschlüsse als Nordhausen.“ Auf dem Papier standen etliche Torschüsse, aber nur eine echte Chance: Marc-Philipp Zimmermann machte bei seinem Kopfball eigentlich fast alles richtig, brachte den Ball ins Eck. Aber Heimkeeper Glinker zeigte seine Klasse und kratzte den Ball von der Linie. Es hätte die VfB-Führung sein müssen (42.). Wer weiß, wie die etwas müde wirkenden Gastgeber einen Rückstand gegen motivierte Auerbacher weggesteckt hätten.

Doch am Ende zählte nicht das Konjunktiv, sondern die Tatsachen: Dass Wacker deutlich mehr drauf hat, als das, was das Team von Trainer Heiko Scholz im ersten Abschnitt gezeigt hatte, deutete sich mit dem Pausenpfiff an. Pichinot brachte es tatsächlich fertig, den Ball in der Nachspielzeit aus fünf Metern übers Tor zu jagen. Eine tausendprozentige Chance – und Glück für Auerbach. „Uns hat in der ersten Halbzeit die Ruhe gefehlt, um unser Spiel gezielt und strukturiert aufzuziehen“, sagte Scholz.

Damit war zu Wiederbeginn klar: Nordhausen würde nochmals den Druck erhöhen, Auerbach weiter auf eine sichere Defensive bauen. Und so kam es auch. Allerdings riss auch nach der Pause Nordhausen eine Viertelstunde lang keinem von den Sitzen, Auerbach machte es clever. Bis Marcin Sieber zweimal innerhalb von neun Minuten im Brennpunkt stand: In seiner ersten Aktion soll er Mickels von den Beinen geholt haben. Ein Elfmeter, den zwar nicht jeder Schiedsrichter in jeder Situation pfeift, aber eine vertretbare Entscheidung. Becker traf – und durfte dasselbe kurz darauf wiederholen. Diesmal entzürnte die Entscheidung die Vogtländer. Aus kurzer Distanz wurde Sieber angeschossen. An den Kopf. Ein fragwürdiger Elfmeter. Bestimmt nicht strafbar? „Wir hatten etwas Glück“, sagte Heiko Scholz. „Über solche Entscheidungen kannst du dich streiten.“ Wieder hatte VfB-Keeper Stefan Schmidt keine Chance – und die Partie war gelaufen. „Die beiden Elfmeter haben uns das Genick gebrochen“, sagte Köhler. Dessen Team sah sich unnötig hoch im Rückstand – und betrieb danach nicht mehr als Schadensbegrenzung. Nordhausen spielte befreit auf. „Trotzdem haben wir uns zu keinem Zeitpunkt aufgegeben und haben bis zum Schluss gut dagegengehalten“, schützte der VfB-Coach sein Team vor Kritik angesichts der dritten Niederlage in Serie. „Das 3:0 war ein Tick zu hoch.“

Kritik bringt wohl den Vogtländer im Abstiegskampf in der Regionalliga auch nicht viel. Denn schon am Mittwoch wartet die nächste Aufgabe – und da gleich ein Hammerspiel. Die Auerbacher empfangen um 19 Uhr im VfB-Stadion den Liga-Führenden Chemnitzer FC. „Für viele ist es das Spiel des Jahres“, weiß Sven Köhler. Vielleicht auch für ihn, stand er vor zwei Jahren doch noch selbst an der Seitenlinie der Himmelblauen. Spätestens am Mittwoch sollten daher wohl die drei Rückschläge der letzten Wochen vergessen sein – und auch bei Marcin Sieber die Unglücksszenen aus dem Gedächtnis getilgt.

 

Statistik

Tore: 1:0/2:0 Becker (60./FE/68./HE), 3:0 Mickels (82.).

Wacker Nordhausen: Glinker – Heidinger, Müller/V, Esdorf, Göbel – Becker/V, Pichinot (78. Sobotta), Ucar (71. Kores),  Mickels – Beil, Kammlott (85.  Genausch).

VfB Auerbach St. Schmidt – Heger (75. Hoffmann), Müller, Sieber/V, Lietz – Tarczal, Herold (75. Ctvrtnicek) – Stock (85. Löser), Schlosser, Kadric – Zimmermann.

Schiedsrichter: Jessen (Berlin).

Zuschauer: 695.

Sebastian Schmidt: „Wir haben also bereits bewiesen, dass wir es können“

Sebastian, du hast deinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Wie kam es dazu?

Ich bin dem Verein und im Speziellen Volkhardt Kramer sehr dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen. Ich möchte  dieses Vertrauen zurückzahlen und gemeinsam mit dem Team den Klassenerhalt schaffen. Seit Tag eins fühle ich mich hier sehr wohl und bin daher froh, weiterhin für den VfB spielen zu können. Ich bin überzeugt, dass wir nun wieder in die Erfolgsspur zurückfinden.

Zuletzt gab es aber in drei Spielen neun Gegentore. Wie kommt das zustande?

Warum das so ist, ist eine gute Frage. Wir haben lange darüber geredet, wie wir es abstellen werden. Wir wollten wieder stabiler stehen. Gegen Rathenow ging es wieder so weiter: Wir bekommen ein einfaches, unglückliches 0:1. Und danach hatten wir gefühlt überhaupt keine Struktur mehr im Spiel. Wir hätten noch das zweite Gegentor bekommen können.

Wie kommen solche Phasen der Kopflosigkeit zustande?

Das ist eine gute Frage. Unter der Woche haben wir gut trainiert und frisch gefühlt. Aber im Spiel hatte ich das Gefühl, dass wir alle Bleiwesten tragen. Bei jedem Schritt waren wir zu spät. Es war alles zu behäbig. Dann bekommen wir auch noch das 0:2…

War das Spiel dann gefühlt gelaufen?

Natürlich. Allerdings hatten wir noch Altglienicke im Hinterkopf und wussten, dass eigentlich alles möglich ist. Dann schaffen wir es auch noch, den Rückstand aufzuholen und leisten uns erneut eine Dummheit. Wir sind alle geschockt. Es herrscht Fassungslosigkeit.

Warum hat sich das Team nach dem 2:2 nicht einfach gesagt: „Okay, der Punkt reicht heute!“?

Ich weiß nicht, was jeder einzelne Spieler gedacht hat. Andererseits mussten wir uns in die Lage von Rathenow versetzen. Sie hatten viel verloren und mussten heute gewinnen. Wir haben es nicht mit Absicht gemacht. Es war einfach unfassbar. Aber im sportlichen Leben geht es bergauf und bergab.

Und jetzt kommen gleich vier starke Gegner…

Vielleicht hat auch das gehemmt. Wir hatten schon einen Druck, heute die drei Punkte zu holen. Jetzt kommen namhafte Gegner. Aber auch gegen die haben wir stets daheim gute Leistungen gezeigt. Es wird aber alles schwierig. Aber nochmals: Wir haben 27 Punkte, wir könnten auch schlechter stehen. Jetzt müssen wir versuchen, wieder in Fahrt zu kommen.

Nochmals zurück: Habt ihr Rathenow unterschätzt?

Keinesfalls! Schon nach dem Sieg gegen Erfurt und aus den Erfahrungen aus dem Hinspiel heraus. Und das Spiel hat gezeigt, dass sie besser waren als der Tabellenstand es glauben macht. Wir haben hingegen gehemmt gewirkt. Auch die beiden Tore haben das nicht ablegen lassen.

Kurz zum Spiel gegen Nordhausen am Sonntag, 13.30 Uhr.

Das Hinspiel können wir als Maßstab nehmen. Dort haben wir das gezeigt, was wir können. Auswärts ist es natürlich schwerer. Aber vielleicht können wir aus dem Grund gut aufspielen, weil keiner mit uns rechnet. Wir müssen unbekümmert spielen und nicht so viele Individuelle Fehler machen. Wir wollen uns in Nordhausen nicht verstecken und unserer Individualisten einsetzen.

Doch wie geht es nun weiter? Die Stimmung muss doch schon am Boden sein.

Wir dürfen uns jetzt nicht zerfleischen, sondern müssen positiv nach vorn schauen. Natürlich sind wir niedergeschlagen, aber es ist doch nicht so, dass wir abgeschlagen am Tabellenende stehen. Wir haben also bereits bewiesen, dass wir es können. Und das nehmen wir mit.

Spielt die Lage in der 3. Liga im Team eine Rolle?

Nein. Wir können das nicht beeinflussen. Es wird auf drei bis vier Absteiger hinauslaufen. Unser Ziel ist es aber auch nicht, nur Viertletzter zu werden. Da wollen wir schon ein paar Teams mehr hinter uns lassen.

Duo verlängert Vertrag um zwei Jahre

Mit Marc-Philipp Zimmermann und Sebastian Schmidt haben zwei Leistungsträger der Regionalliga-Mannschaft ihre laufenden Verträge um zwei weitere Jahre bis Ende der Saison 2021 verlängert. Beide Verträge laufen unabhängig von der jeweiligen Klassenzugehörigkeit des VfB. Beide Spieler haben wesentlich zu den sportlichen Erfolgen ihres Teams beigetragen und möchten mit ihrer Vertragsunterschrift auch ein Zeichen für den Zusammenhalt der Mannschaft setzen. „Es werden in den nächsten Tagen weitere Vertragsverlängerungen folgen“, kündigte VfB-Manager Volkhardt Kramer an. „Damit steht auch schon jetzt auf wesentlichen Positionen das Gerüst der Mannschaft für die kommende Saison.“

Defensivspieler Schmidt ist seit Sommer 2017 im Vogtland und absolvierte bislang 57 Pflichtspiele, Stürmer Zimmermann stand seit Winter 2017 bei 71 Partien für den VfB auf dem Feld und erzielte 37 Tore.

Danny Wild fällt vorerst aus

Danny Wild machte am vergangenen Freitag ein sorgenvolles Gesicht: Nicht nur, weil er nicht mit auf dem Spielfeld stehen durfte, sondern auch, weil der VfB das wichtige Spiel um den Klassenerhalt gegen Optik Rathenow mit 2:3 verlor. Eine bittere Niederlage, die den Auerbachern in den kommenden, schweren Wochen noch Probleme bereiten könnte. Allerdings blickt das Team nun schon wieder etwas zuversichtlicher nach vorn. Nur ein Problem bleibt: Danny Wild wird auch noch in den nächsten Wochen fehlen. Seine Verletzung aus dem Leipzig-Spiel stellte sich nun als Einriss des Innenbandes heraus. „Ich muss nun ein paar weitere Tage Ruhe halten“, sagt der Außenbahnspieler, der oft im Auerbacher Spiel für die so wichtigen Akzente nach vorn sorgte. „Zumindest ist es nichts allzu Ernstes“, sagt er. Trotzdem fällt er wohl die nächsten zwei bis drei Spiele aus. Hingegen kehrt Marcin Sieber nach seiner abgesessenen Gelbsperre am Sonntag in Nordhausen ins VfB-Team zurück. Angesichts der Defensivschwächen gegen Rathenow immerhin eine gute Nachricht.

Alle Termine bis zum Saisonende stehen fest

Die Regionalliga-Saison geht ihrem Höhepunkt entgegen – und der VfB Auerbach kämpft um den Verbleib in Liga 4. Nun hat der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) die konkreten Ansetzungen für die Regionalliga bis zum 34. Spieltag bekanntgegeben. Auf die Auerbacher kommen an den letzten sechs Spieltagen ein Donnerstags-, drei Samstags- und zwei Sonntagsspiele zu. Der Überblick:

Sonntag, 14. April, 13.30 Uhr: FC Oberlausitz – VfB Auerbach

Donnerstag, 18. April, 19 Uhr: VfB Auerbach – ZFC Meuselwitz

Samstag, 27. April, 13.30 Uhr: FC Viktoria Berlin – VfB Auerbach

Samstag, 4. Mai, 13.30 Uhr: VfB Auerbach – Bischofswerdaer FV

Sonntag, 12. Mai, 13.30 Uhr: Union Fürstenwalde – VfB Auerbach

Samstag, 18. Mai, 13.30 Uhr: VfB Auerbach – SV Babelsberg

VfB fehlt der Esprit – und die Ruhe für wenigstens einen Punkt

VfB Auerbach – Optik Rathenow 2:3 (0:1)

Als Ingo Kahlisch bei der Pressekonferenz nach dem Regionalliga-Spiel das Wort ergriff, sagte er einen wichtigen Satz: „Wenn es bei uns nicht läuft, dann fliegt nicht der Trainer, sondern wir setzen uns zusammen und diskutieren, was wir besser machen können.“ Seine Aussage hatte er zwar auf Optik Rathenow gemünzt. Doch er trifft auch auf den VfB zu: Auch wenn es mal nicht so läuft, wenn mal Rückschläge unterlaufen, verliert keiner die Nerven. Es wird weitergearbeitet. Und so wird es auch beim VfB Auerbach nach der 2:3-Heimniederlage laufen.

Sicher, die Niederlage gegen das Schlusslicht der Regionalliga ist bitter. Extrem bitter – zumal der VfB ein bereits verloren geglaubtes Spiel zumindest noch in einen Punktgewinn gedreht hatte. „Es war heute unsere Dummheit, dass wir nicht den einen Punkt mitgenommen haben“, sagte auch VfB-Coach Sven Köhler sehr deutlich. Ihm wäre das 2:2, das der VfB nach 86 Minuten auf der Anzeigetafel hatte, an diesem Abend genug gewesen.

Er hatte recht damit, denn ein Zähler hätte nicht nur Rathenow in der Tabelle auf Distanz gehalten, sondern auch die Partie mit einem positiven Gefühl fürs Auerbacher beendet. Denn ein Punkt war zu diesem Zeitpunkt der optimale Ausgang eines Spiels, das der VfB nach dem 0:2-Rückstand bereits gefühlt verloren hatte und zudem auch über weite Strecken alles andere als überzeugend bestritt. Auerbach fehlten viel: der Esprit, die spielerischen Mittel. Zu oft operierte der VfB mit hohen, langen Bällen, zu wenige Ideen kamen aus dem Mittelfeld. Aber fehlten auch die Auerbacher Tugenden? „Den Kampf kann ich der Mannschaft nicht absprechen“, sagte Sven Köhler.

Er stellte sich damit der Kritik, das Team habe zu wenig Einsatz gezeigt. Das Engagement war der Mannschaft auch gar nicht abzusprechen. „Keiner hat die Fehler absichtlich gemacht“, sagte Sebastian Schmidt. „Wir haben doch nicht mit Absicht verloren.“ Allerdings waren die Fehler vor allem eins: zu unnötig und zu einfach. Sowohl beim 0:1, als auch beim 0:2 lief der VfB in einen Konter und verlor jegliche Übersicht in der Verteidigung. Dass es nicht schon vor der Pause 0:2 stand, war fast schon schmeichelhaft. Doch nach der Pause bemühten sich die Auerbacher.

An diesem Abend lief aber rein gar nichts zugunsten des VfB: Das hatte zuvor schon mit der vergebenen Großchance von Thomas Stock (2.) begonnen, setzte sich mit dem zweiten Gegentreffer in der VfB-Drangphase fort und endete schließlich im 2:3 nach dem 2:2-Ausgleich. „Das war zu billig“, ärgerte sich Sven Köhler über die Art und Weise des 2:3-Gegentores. Aus einem Einwurf heraus verlor der VfB die Übersicht.

Allerdings darf im Moment der Niederlage eins nicht vergessen werden: Es hilft wohl nichts, nun wutentbrannt alles auf den Kopf zu stellen. Insofern sind die Wort von Ingo Kahlisch in der Pressekonferenz vielleicht auch für den VfB ganz hilfreich. Und vielleicht zahlt sich die Ruhe dann auch aus. Zum Beispiel beim Auswärtsspiel in Nordhausen am nächsten Sonntag, 13.30 Uhr.

Statistik

Tore 0:1 Kapan (28.), 0:2 Top (57.), 1:2  Stock (62.), 2:2 Zimmermann (86.), 2:3 Adewumi (87.).

VfB Auerbach St. Schmidt – Heger, Müller, Lietz,  Seb. Schmidt – Tarczal, Herold (61. Ctvrtnicek/V) – Stock, Schlosser,  Kadric – Zimmermann.

FSV Optik Rathenow: Zwick – R. Techie-Menson, Turan,  Langner, Wilcke – Hellwig, Leroy  (78. Ortiz) – Adewumi, Kapan, Top (86. Weber) – Aydogdu/V (90.+1 Bilbija).

Schiedsrichter: Schipke (Halle).

Zuschauer: 450.

Sympathie für Rathenow, aber die drei Punkte sollen in Auerbach bleiben

Als VfB-Manager Volkhardt Kramer vor eineinhalb Wochen im VfB-Stadion Auerbach das Unentschieden gegen die VSG Altglienicke feierte, war ihm bewusst, dass die vier Punkte aus den beiden Spielen gegen Bautzen und Altglienicke nur ein Zwischenschritt waren. „Ein Punkt ein Leipzig wäre ganz nett, und dann noch ein Sieg gegen Rathenow ist Pflicht“, sagte er. Aus dem Vorhaben, bei Lok Leipzig etwas Zählbares mitzunehmen, wurde bekanntermaßen nichts. Damit ist klar: Gegen Optik Rathenow muss am Freitag, 19 Uhr, ein Sieg unbedingt her, um die Bilanz der letzten Wochen aufrechtzuerhalten.

Aber auch rein sportlich wären drei Zähler wichtig: Der Kampf um den Klassenerhalt in der Regionalliga entwickelt sich zu einem echten Krimi. Da aus der 3. Liga womöglich mit Energie Cottbus und dem FC Carl Zeiss Jena in die fünfte Liga zurückkehren, erhöht sich die Anzahl der Absteiger aus der Regionalliga um zwei. Damit erwischt es diese Saison gleich drei Teams. Als ersten Kandidaten nannten wohl die meisten bis zur Vorwoche Optik Rathenow. Der Aufsteiger liegt ganz hinten. Doch mit dem Heimsieg gegen Rot-Weiß Erfurt haben die Brandenburger wieder neuen Mut geschöpft.

Dabei wünscht sich so mancher in Auerbach den Klassenerhalt der Optiker, sehen sich doch beide Vereine auf Augenhöhe, wenn es darum geht, in einer Profi-Liga zu bestehen. „Wir stehen im regen Austausch mit Ingo Kahlisch“, sagt Kramer. Kahlisch ist ähnlich wie Kramer der Macher in Rathenow. Beide setzen auf Amateurfußball in Liga vier, sehen die Konkurrenz aber durchaus kritisch: Einerseits weil gleich drei Klubs in der Regionalliga in einem schwebenden Insolvenzverfahren stecken, andererseits weil sie in der Durchsetzung der Zulassungskriterien für die Regionalliga eine Ungerechtigkeit sehen. Ein eigenes Stadion oder Flutlicht – das hat nicht jeder Regionalligist, während Auerbach und Rathenow diese Voraussetzungen erfüllen mussten, um in Liga vier zu spielen.
Aber all das dürfte auf dem Feld keine Rolle spielen. Denn dort trifft der VfB auf einen schlagbaren Gegner. „Wir wollen natürlich die drei Punkte“, sagt Kapitän Marcel Schlosser. „Aber Rathenow ist gefährlich. Das haben wir schon im Hinspiel gemerkt.“ Damals siegte der VfB mit 2:1, lag aber früh mit 0:1 zurück.

Ausfallen werden Marcin Sieber und Danny Wild. Für Wild dürfte Björn Trinks seine Premiere in der VfB-Startformation feiern oder Josef Ctvrtnicek wieder in die Startelf rücken, Sieber ist schwerer zu ersetzen. Für ihn könnte Vaclav Heger wieder in die Innenverteidigung rücken – und Rückkehrer Felix Lietz in die Startelf.

Große Ungewissheit nach dem Leipzig-Spiel

Der Sonntag in Leipzig war nicht nur aufgrund des Ergebnisses, also der 1:3-Niederlage, ernüchternd für den VfB Auerbach. Auch die Tatsache, dass die Vogtländer gleich zwei Spieler während des Spiels verlor. Marcin Sieber und Danny Wild mussten frühzeitig vom Platz.

Die schlechte Nachricht vorneweg: Beide können am Freitag zum Regionalliga-Krimi gegen Optik Rathenow nicht spielen – allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Bei Sieber ist es unabhängig von seiner Verletzung: Er sah in Leipzig seine fünfte Gelbe, später musste er mit einer Knieverletzung vom Feld. „Wenn ich nicht gesperrt wäre, hätte ich am Freitag schon wieder spielen können“, sagt der Defensivspieler. Dass er nach seiner Verletzung nun eine Woche länger Zeit hat zum Auskurieren, gefällt ihm aber nicht. „Als Spieler willst du natürlich so viele Spiele wie möglich bestreiten, ohne gesperrt zu sein.“ Sieber hatte seit Ende der Hinrunde vier Gelbe auf seinem persönlichen Sündenkonto. Nun folgte die fünfte – und damit die Sperre.

Anders verhält es sich bei Danny Wild. „Wir müssen nun gegen Rathenow die drei Punkte holen“, hatte er noch nach der 1:3-Niederlage bei Lok gesagt. Doch schon zu diesem Zeitpunkt hatte er sich seinen linken Knöchel behandeln lassen. Schon in der ersten Halbzeit musste der Außenbahnspieler aus dem Spiel. „Bis zum 2:1 waren wir gleichwertig. Wir haben aber nach vorne zu wenig gemacht. Aber natürlich hat Leipzig von der Qualität her sehr gut Einzelspieler, die auch nicht viel zulassen“, sagte er zum Spiel.

Über seine Verletzung ärgerte er sich, noch steht aber nicht fest, wie lange er ausfällt. Am Donnerstag unterzieht er sich einer MRT-Untersuchung, am Freitag folgt dann die Diagnose. „Ich hoffe, es ist nur stark überdehnt und nichts am Knöchel kaputt.“ Noch will er aber keine Prognose abgeben. „Wir müssen abwarten.“ Sollten die Bänder nicht betroffen sein, dürfte sich die Länge seines Ausfalls in Grenzen halten. Andernfalls droht ihm ein längerer Ausfall.

Lok überrollt den VfB in der zweiten Hälfte

Lok Leipzig – VfB Auerbach 3:1 (1:1)

 

Auswärts und daheim – die Spielorte bleiben für den VfB Auerbach in der Fußball-Regionalliga zwei völlig unterschiedliche Dinge. Nicht nur rein geografisch, sondern vielmehr sportlich. Auf die guten Auftritte gegen Bautzen und Altglienicke folgte nun ein Rückschlag. Beim 1.FC Lokomotive Leipzig war für die Vogtländer letztlich nichts zu holen. Noch schlimmer: Die Auerbacher Defensive erwischte vor allem im zweiten Abschnitt einen fürchterlichen Tag. „Wir können froh sein, dass die Leipziger so fahrlässig mit ihren Chancen umgegangen sind“, sagte VfB-Coach Sven Köhler. Denn wenn die Lok alle Großchancen genutzt hätte, dann hätte der VfB wohl ein Debakel erlebt.

Angesichts der Deutlichkeit der der Niederlage steht die Frage nach dem Warum? Einerseits lag es wohl am Gegner. Lok – vor der Saison noch groß als Kandidat für den Drittliga-Aufstieg gehandelt – ist nach der Winterpause in einer bestechenden Form. Die Formkurve zeigte auch gegen Auerbach weiter nach oben. Zumindest im zweiten Abschnitt, wenn man Björn Hoppe, dem Trainer der Lok, glauben schenkt. „Erst in der zweiten Halbzeit sind wir besser ins Spiel gekommen und haben versucht, Fußball zu spielen.“ Das sah über weite Strecken auch ganz ansehnlich aus.

Allerdings war es auch dadurch begünstigt, dass der VfB nicht unbedingt einen Sahnetag erwischte. Immerhin gelang den Auerbachern im erste Abschnitt noch, defensiv sicher zu stehen. „Das war solide“, sagte Köhler. Nicht mehr, weil ein Ball durchrutschte und Steinborn allein vor VfB-Keeper Stefan Schmidt zur Führung traf. „Praktisch aus dem Nichts“, sagte Hoppe zum Lok Treffer. Gleiches fiel auch Sven Köhler zum 1:1 ein. Denn im Anschluss an die Leipziger Führung sei es ein Spiel auf ein Tor gewesen – auf das Auerbacher, sagte der VfB-Coach. „Der Ausgleich fiel für uns aus heiterem Himmel.“ Immerhin ist das insofern stimmig, da Auerbach konterte. Ein einziges Mal klappte es eben: Thomas Stock bediente Marc-Philipp Zimmermann, der zentral seine Cleverness und Kaltschnäuzigkeit zeigte.

Der Ausgleich hätte nun dem VfB Aufwind verleihen können. Denn es war offensichtlich, dass auch die Gastgeber so ihre Schwierigkeiten hatten. Doch nach der Pause änderte sich das Bild total: Auerbach kam nur noch selten nach vorn, Leipzig spielte mutiger nach vorn. Es war den Gastgebern anzumerken, dass sie den Sieg unbedingt wollten. Beim VfB war es hingegen keine Frage des Willens, sondern vielmehr eine Frage der hohen Belastung. „Vielleicht hat heute doch Wirkung gezeigt, dass wir zwei Spiele auf schweren Plätzen hinter uns haben“, sagte Köhler. Gegen Bautzen und Altglienicke gewann sein Team zwar vier Punkte, verlor aber Kraft. Das war in Leipzig im zweiten Abschnitt zu spüren.

Allerdings hätte auch dieser Tag eine völlig andere Wendung nehmen können. Eine Minute entschied das gesamte Spiel. In der 60. Minute entschied sich das Wohl und Wehe des VfB auf knallharte Weise: Bei einem der wenigen Gegenstöße köpfte Marc-Philipp Zimmermann um Millimeter an der Führung vorbei. Sein Kopfball landete an der Latte, Kirsten hätte den Ball nicht halten können. Chance zur Führung vertan – und letztlich auch die Chance auf einen Punktgewinn. Denn im direkten Gegenzug hatte Lok gleich eine Doppelchance: Erst scheiterte Steinborn, doch dann machte es Schulze besser. Das 2:1 war eine gefühlte Vorentscheidung. Was danach allerdings kritisch aus Auerbacher Sicht anzumerken ist, ist die Vielzahl an Torchancen, die die Vogtländer zuließen. Lok hätte die Führung deutlicher als nur auf 3:1 ausbauen können. Zum Teil kläglich vergaben die Leipziger ihre Topchancen. Auerbach hatte viel Glück. „Nach den zwei Gegentreffern in der zweiten Hälfte war das Spiel erledigt“, sagte VfB-Coach Köhler.
Sein Team muss sich nun schleunigst aufraffen, denn am Freitag, 19 Uhr, wartet ein wichtiges Spiel im Kampf um den Klassenerhalt. Zu Gast ist dann der FSV Optik Rathenow. Immerhin handelt es sich um ein Heimspiel. Dort fühlt sich der VfB auch um Längen wohler als in der Fremde.

Statistik

Tore: 1:0 Steinborn (26.), 1:1 Zimmermann  (39.), 2:1 Schulze (60.), 3:1 Steinborn (68.).

1. FC Lok Leipzig: Kirsten – Berger, Urban/V, Zickert – Schinke, Pannier, Pommer, Sindik (67. Pfeffer), Gottschick (77.  Ziane) – Schulze (83. Adler), Steinborn.

VfB Auerbach: St. Schmidt – Heger, Müller/V, Sieber/V (56. Lietz), Seb. Schmidt – Kadric  (75. Ctvrtnicek), Tarczal – Wild  (25. Trinks), Stock, Schlosser –  Zimmermann.

Zuschauer: 2.425.

Schiedsrichter: Greif (Westhausen).