Ein emotionaler Abschluss des Jahres

VfB Auerbach – VSG Altglienicke 0:5 (0:4)

Adventszeit, Weihnachten ist nicht mehr weit entfernt. Eine besinnliche Zeit. Kein Moment für Wut. Eigentlich. Doch zwei Abende vor dem dritten Advent kochten im VfB-Stadion die Emotionen so hoch wie selten in der Geschichte des Stadions zuvor. Es muss also etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein, um die weihnachtliche Stimmung derartig zu zerstören. Aber der Reihe nach.

Während in der Bundesliga über Für und Wider des Videobeweises diskutiert wird, steht dieses technische Hilfsmittel in der Regionalliga nicht zur Verfügung. Am Freitagabend wäre es angebracht gewesen. Es hätte den Verlauf eines gesamten Spiels womöglich komplett verändert, die Stimmung im Stadion aber definitiv die Aggressivität genommen. Denn was dem VfB an diesem Abend fehlte, war eine objektive Bewertung der spielentscheidenden Szenen. Und so mussten die Auerbacher bis zum Samstag warten und auf eine endgültige Auflösung durch die TV-Bilder des MDR warten.

Bis dahin herrschte vor allem eins: völliges Unverständnis für die mindestens kontroverse Leistung des Schiedsrichter-Assistenten. Der Mann an der Linie an den Trainerbänken stand gleich mehrmals unrühmlich im Mittelpunkt. Ja, man kann sogar sagen, dass er mit seinen Entscheidungen den Spielverlauf entscheidend beeinflusst hat. Aus Sicht viele Auerbacher zu unrecht gegen den VfB. Was war geschehen? Für das emotionale Feuerwerk sorgte die Szene vor dem 0:2. Nach einem ungeahndeten Foulspiel in der gegnerischen Hälfte lief der VfB in einen Konter – Stephan erhielt den Ball in höchst abseitsverdächtiger Position. Die Fahne blieb unten, worüber selbst die Gäste-Fans nur müde lächeln konnten. Auch sie sagten: Klar Abseits! Die TV-Bilder werden es zeigen. Zu allem Übel ließ zwar Schiedsrichter Kluge bei Marcin Siebers Foul an Stephan im Strafraum Gnade vor Recht ergehen, der Assistent aber nicht. Er wollte auch noch Rot. Das gab es auch. Zwei zweifelhafte und eine unnötig harte Entscheidung innerhalb von wenigen Sekunden – die Ungerechtigkeit schrie regelrecht zum Himmel.

Und die Schreie hörten nicht mehr auf. Zumindest nicht die Rufe von den VfB-Fans. Dass sich die VfB-Fans bis zum Schlusspfiff über die unangenehme Spielleitung aufregten und wirklich eine Stunde lang nicht mehr einbekamen, hat Premieren-Charakter. Sie schimpften bis zum Schlusspfiff und darüber hinaus über diesen Auftritt der Referees. Ein Grund: Das Ergebnis war bereits zur Pause so eindeutig (0:4), dass die Partie jegliche Spannung verloren hatte. Dass der vierte Gegentreffer aus einer Abseitsposition gefallen war, war da schon fast zweitrangig. Das Urteil über die Schärfe des Blickes des Assistenten hatten die meisten Auerbacher bereits gefällt.

Unabhängig von all dieser Aufregung sei allerdings gesagt: Die Ursachen für die deutliche Niederlage liegen allen voran im VfB-Spiel begründet. Auerbach hatte es verpasst, frühzeitig in Führung zu gehen. Marc-Philipp Zimmermann hatte den Führungstreffer beinahe leichtfertig liegen gelassen. Hinzu kam die individuelle Stärke der Berliner Gäste, die sich beim 1:0 zeigte. Zudem machte der VfB – wie beim 0:3 – zu einfacher Fehler. Alles mischte sich zu einem toxischen Mix, der zum 0:5 führte. Beschleuniger war dabei eben insbesondere der Mann an der Linie. „Es war natürlich eine unangenehme Niederlage. Für uns bleibt es ein bitterer Abend“, sagte VfB-Coach Sven Köhler. „Aber wir wollen uns die Gesamtsituation nicht schlecht reden.“