Sven Köhler: „Das Ziel kann nur Klassenerhalt heißen“

Sven, du warst im Urlaub und hast auch mal vom Fußball abschalten können. Steigt die Vorfreude auf den Trainingsstart am Mittwochabend?

Ich freue mich darauf! Aber nicht nur ich, sondern auch die Spieler. Jeder hatte zuletzt Zeit zum Erholen, auch wenn nicht alle Spieler komplett frei hatten. Aber sie werden Tage gefunden haben, um abzuschalten.

Das letzte Regionalliga-Spiel gegen Babelsberg – mit einem 1:0-Sieg – liegt ja auch gar nicht so lange zurück…

Ja, aber mit dem ordentlichen Saisonabschluss mit überragenden 46 Punkten und unserer guten Platzierung erholt es sich auch leichter. Da denkt man gern zurück und sammelt Kräfte. Jetzt ist aber jeder wieder bereit für den nächsten Klassenerhalt zu kämpfen.

An diesem Ziel ändert sich also auch in der neuen Saison nichts?

Als VfB Auerbach bleiben keine anderen Ziele! Es zählt nur der Klassenerhalt.

Wie schätzt du die Liga ein?

Durch den Abstieg von Bautzen und Neugersdorf gibt es zwei Teams aus unserer Region, die auch ähnliche Bedingungen hatten, weniger. Mit der BSC Chemie Leipzig steigt aus dem Süden ein Verein auf, der auf Sicht andere Ambitionen hat. Meiner Ansicht nach ist Lichtenberg, der Nord-Aufsteiger, wie wir aufgestellt. Es wird wieder spannend.

Es bleibt also auch weiter eine geteilte Liga: Profi-Teams auf der einen Seite, Amateurteams – wie den VfB – auf der anderen. Welche Folgen hat das – auch für die Vorbereitung?

Erst einmal war es wichtig, dass sich unsere Spieler von dieser Doppelbelastung erholt haben. Zudem gilt: Unser Konzept muss ja nicht von vornherein nachteilig sein. Es hat auch eine gute Seite, in zwei „Welten“ zu leben – so können sie Probleme in dem einen Bereich mit dem anderen ausgleichen. In schwierigen Phasen im Fußball lenken die Spieler sich bei der Arbeit ab. Haben sie einen schweren Arbeitstag, reagieren sie sich beim Fußball ab.

Inwiefern ist die Regeneration auch in der Vorbereitung wichtig?

Nur mal zum Vergleich: Profis konzentrieren sich nur auf Fußball. Sie trainieren natürlich mehr, spielen in einer Liga mit uns – und brauchen trotzdem auch Urlaub. Daher sind Erholungsphasen für unsere Spieler mit der Doppelbelastung noch viel wichtiger. Hinzu kommt außerdem, dass wir stets im Abstiegskampf stecken. Das zehrt an den Kräften. Auch in der abgelaufenen Saison ist die endgültige Entscheidung erst relativ spät gefallen.

Im Sommer haben den VfB wichtige Spieler verlassen. Wie empfindest du die Wechsel von Danny Wild und Vaclav Heger?

Der Fußball ist immer Veränderungen unterlegen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Spieler einen Verein wechseln. Natürlich ist es immer schade, wenn Spieler wie eben Danny Wild und Vaclav Heger den Verein verlassen. Aber ich verstehe auch die Argumente der Spieler. Danny hofft weniger Aufwand zu betreiben, bei Vaclav fehlen mir auch die Gegenargumente, wenn er nochmals den Sprung als Profi schaffen will. Es ist natürlich schade, aber wir müssen jetzt versuchen, sie zu ersetzen.

Und Felix Lietz fehlt dem Team auch noch!

Ja, auch ihm wurde die Belastung zu groß – mit der Arbeit und seinen zwei Kindern. Er hat sich immerhin bereiterklärt, dass er sich ins Training immer mal wieder mit eingliedert und wenn die Not groß ist, da zu sein. Am Ende der vergangenen Saison hat er es hervorragend gemacht und gezeigt, wie wichtig er für uns ist.

Bereits vier Neuzugänge stehen fest. Mit Hendrik Wurr, Maximilian Schmidt, Eric Träger und Alexander Morosow. Was versprichst du dir von ihnen?

Die Neuen sind ehrgeizig genug, um den Konkurrenzkampf anzuheizen und neuen Schwung ins Team zu bringen. Eine Verjüngung war notwendig, weil auch Albert Löser und Marcin Sieber aus der U23-Regelung gefallen sind. Für mich ist es immer wichtig, junge Spieler mit Potenzial im Team zu haben.

Im Vergleich zum Vorjahr stehen schon früh die Neuzugänge fest.

Ja, das liegt auch daran, dass dieses Jahr der Markt für uns größer war als in Jahren zuvor. Allein schon deshalb, weil mit Bautzen und Neugersdorf zwei Mannschaften, die mit uns auf Augenhöhe agiert haben, nicht mehr auf demselben Markt agieren. Aber es gibt natürlich auch Gegenbeispiele, wenn die jungen Spieler von Dynamo Dresden aus dem Nachwuchs kommen und dann die Möglichkeiten suchen, unter Profibedingungen weiterzuarbeiten. Es ist immer schwierig, die Jungs dazu zu bewegen, unseren Weg mitzugehen. Aber auch sie sollten sich klar darüber sein, dass selbst in der Regionalliga bei Klubs wie Erfurt oder Cottbus nicht der riesige Weg als Sportler automatisch sicher ist. Es ist wichtig, ein zweites Standbein zu haben. Wenn man neben dem Fußball noch ein Studium oder eine Ausbildung macht, dann macht es alles vom Kopf her doch einfacher. Denn du weißt dann, noch etwas in der Hinterhand zu haben, wenn es mit der Fußballerkarriere doch nicht klappt. Aber viele junge Leute glauben, dass nur der eine Weg zählt und vergessen, dass nach Fußball noch eine Zeit kommt. Eine relativ lange sogar.

Sind die Personalplanungen abgeschlossen?

Wenn ich so zurückblicke auf die Jahre vor meiner Zeit als Trainer beim VfB war der Kader größer als unser aktueller. Und auch selten zuvor haben wir so viele A-Jugendliche im Kader gehabt, wobei man nicht vergessen darf, dass die U19 nicht Regionalliga spielt. Der Sprung aus der Landesliga ist schon groß. Wir haben im Moment 17 Feldspieler und zwei Torhüter sowie Max Jan Denschel als Torhüter, der aber erst im neuen Jahr spielen darf. Natürlich haben wir unseren finanziell eng gesteckten Rahmen für den Kader. Trotzdem müssen wir weiter den Markt beobachten.

Wo siehst du noch Handlungsbedarf?

Auf der Rechtsverteidigerposition. Da müssen wir schauen, ob sich noch etwas ergibt. Alexander Morosow hat die Position zwar auch schon gespielt, vielleicht kann er dort auch bei uns spielen. Und mit Albert Löser haben wir auch noch eine gute Ergänzung, aber auch Albert war in der vergangenen Saison kein Stammspieler. Daher müssen wir schauen, was sich noch ergibt.

Zurück zum Training. Welchen Plan hast du für die Spieler in den nächsten Tagen?

Es wird natürlich kein Trainingsaufbau wie Profimannschaften ein. Aber wir wollen nun zunächst am Athletischen arbeiten und die neuen Spieler integrieren. Denn fünf Wocheen Vorbereitung sind schnell um. Trotzdem müssen wir die körperlichen Voraussetzungen für die Saison schaffen und zudem am Zusammenwirken arbeiten, also eine Harmonie hinbekommen. An den ersten Trainingstagen werden noch einige Spieler fehlen – wie Alexander Morosow, der noch länger gespielt hat. Auch Daniel Tarczal stößt erst nächste Woche zu uns. Der Beginn ist auch dosiert, denn wir haben gleich zwei Spiele – und in denen musst du, unabhängig von der Stärke des Gegners, trotzdem laufen.