Die Zeit von 1906 bis 1919

Die ersten Spiele des AFC

1908 bis 1910 - Die erstem Meisterschaftswürde

Die Damen des AFC

Der 1.Weltkrieg

Umbenennung des AFC in VfB

18.09.1921 - Einweihung des neuen Stadions am Ziegeleiweg

Zwischen den Weltkriegen

Leistungsschwankungen typisch für den VfB in den Jahren bis 1933

Neue Strukturen 1933

Die Nachkriegsjahre - 1945 bis 1950 Sportkartell und KWU Auerbach

1951 - Die Gründung der BSG "Einheit" Auerbach

1951 bis 1996 - Ein Überblick über glückliche Stunden

1955 bis 1957 - Der Bau eines neuen Sportlerheimes

1951 bis 1991 - Bittere Stunden

Die Zeit nach der Wende

Pfingsten 1991 - ein Meilenstein auf dem Weg des VfB

1994 bis 2000 - Das harte Leben in der Landesliga



Die Zeit von 1906 bis 1919

Wir schreiben das Jahr 1906, sind inmitten der Wilhelminischen Zeit. Die sich entwickelnde Industrie wird im Vogtland, und ganz speziell auch in Auerbach, von der Textilproduktion bestimmt. In dieser Gründerzeit taucht auch der Name Seidel unter den Geschäftsleuten verstärkt auf. Drei Brüder führen die Geschäfte ihres Vaters weiter. Das Möbelzentrum Ernst Seidel, heute noch sehr eng mit dem VfB Auerbach verbunden, geht in seinen Wurzeln auf noch mehr als 10 Jahre vor die Vereinsgründung zurück.

Der Fußballsport, aus England kommend, findet auch immer mehr Verbreitung in Deutschland. Er paßt zwar noch nicht ganz in das gesellschaftliche Bild der damaligen Zeit, aber sein Siegeszug ist nicht mehr aufzuhalten. In Auerbach folgten im Mai 1906 zirka 15 Herren einer Aufforderung der "Auerbacher Zeitung". Dort wurde am 17.05.1906 wie folgt announciert: "Bessere Herren, welche gesonnen sind, einen Fußballklub mitzugründen, werden gebeten, sich am Donnerstag, dem 17. Mai im 'Hotel Kaiserhof' einzufinden."

Die Einberufer und damit die geistigen Urheber sind die Herren Edy Hürtling, er wird am gleichen Abend zum 1. Vorsitzenden gewühlt, Carl Günther - ihn bestimmt man als ersten Schriftführer -, Erich Gugel übernimmt die Funktion des Spielwarts, sowie Paul Liebmann. Nach Plauen ist damit Auerbach die zweite Stadt im Vogtland, in der ein Fußballverein gegründet wurde. Als Auerbacher Fußballclub AFC nimmt man am 15.07.1906 den Spielbetrieb auf. Mit einem 7:1 gegen die 2. Mannschaft des Plauener Ballspielclubs verläuft die Premiere verheißungsvoll. Unter der Rubrik "eingesandt" findet die Idee der Vereinsgründung in der "Auerbacher Zeitung" Anerkennung: "In der gestrigen Nummer dieses Blattes wurden Herren, die gesonnen sind, einen Fußballclub mit zu gründen, gebeten, heute abend im 'Hotel Kaiserhof' zu erscheinen, und erlaube ich mir hiermit als Sportsfreund, an die Herren, die Interesse an der Sache haben, einige Worte zur richten. Man müßte eigentlich annehmen, daß bei dem schönen Frühlingswetter diese gute Idee unterstützt würde, bedenkt man, daß viele junge Herren des Tags über die körperliche Ausarbeitung entbehren müssen; darum ist es sehr gut, wenn sie am Abend Gelegenheit haben, sich im Freien zu bewegen. Der Fußballsport wurde am Anfang als ein rohes Vergnügen betrachtet und die Meinung davon war nicht die günstigste. Erst nach und nach, durch Wettspiele, die zwischen den Klubs verschiedener Städte und Staaten veranstaltet wurden, wurde nicht nur Interesse sondern sogar Begeisterung dafür gewonnen, und man kann jetzt in fast jeder Zeitung Resultate von Fußballspielen lesen. Auch ist in Deutschland ein Verband, der die angesetzten Wettspiele überwacht und einen sogenannten Schiedsrichter stellt. Diesem Verband füllt auch die Aufgabe zu, die Klubs in verschiedene Klassen zu teilen. um zu vermeiden, daß bei Wettspielen (die zuvor angemeldet werden müssen) ungleiche Spielmannschaften gegenüber stehen. Der Fußballsport bietet eine reiche Abwechslung und wünsche ich den Herren, die diesen Sport in unserer Stadt ins Leben zu rufen gedenken, ein gutes Gelingen." (Artikel von A. Strebnow)


Die ersten Spiele des AFC

Auf einer Wiese an der Reumtengrüner Straße finden die ersten "Fußballübungen" statt. Sie sorgen für Aufsehen, finden aber neben wohlwollender Zustimmung, allerdings auch "abfällige Beurteilung". Da die Wiese lediglich für Übungszwecke nutzbar war, bemüht sich die Vereinsleitung intensiv um einen für Wettspiel geeigneten Platz. In einem Wiesengrundstück hinter Winkelmanns Ziegelei am Weg zum Bendelstein wir man fündig. Dort findet am 15.07. das erste Spiel des AFC statt, das auch gleich mit 7:1 gegen den Plauener Ballspielclub gewonnen wird. Die Beschreibung des Platzes, die der "Auerbacher Zeitung" zu entnehmen sind, lassen allerdings die Vermutung zu, dass die Spielfläche kaum heutigen Vorstellungen von einem Fußballfeld entsprechen. "Während die eine Seite mit der "Höhe des Kuhbergs" liebäugelte, läßt sich die andere nach unten durchfallen." Mit den "Besonderheiten" des eigenen Feldes kommt der AFC aber scheinbar sehr gut zurecht und auch das erste im Göltzschtal ausgetragene Derby am 09. September 1906 gegen Falkenstein mit 4:1. Ein Jahr später folgen dem AFC und dem Falkensteiner FC weiter Vereinsgründungen im Göltzschtal (1. FC Rodewisch, Ballspielclub Falkenstein und die Sportfreunde Auerbach). Als erstes Derby zwischen dem 1. FC Rodewisch und dem VfB Auerbach, damals eben AFC, ist das Spiel 1. FC Rodewisch I gegen AFC III vom 13.06.1907 überliefert. Es endete "nach hartem Kampf" 1:1. Der AFC erwarb sich bei den Fußballfreunden des Göltzschtales auf Grund seines erfolgreichen Spiels schnell Anerkennung. Die Pflege von Kameradschaft und Geselligkeit wurde von Anbeginn groß geschrieben. Das erste Stiftungsfest am 12. Juli 1907 legte davon Zeugnis ab: Es ist überliefert, dass die offiziellen Vertreter der Stadt daran teilnahmen und dem AFC Anerkennung für dessen Jugendpflege leisteten.


1908-1910 - Die erste Meisterschaftswürde

Zwei Jahre lang spielte nun schon der AFC einen vereinsorganisierten Fußball. Der Verein schließt sich dem Verband Mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV) an. Damit wird ein Schritt vorwärts getan, der aber auch erhöhte Anforderungen durch eine wesentliche Steigerung des Spielbetriebes stellt. Vor allem muss ein neuer, in seinen Ausmaßen vorschriftsmäßiger Platz beschafft werden, der die reibungslose und einwandfreie Durchführung der Verbandsspiele gewährleistet. Günstig für diese Zwecke findet man ein Grundstück hinter dem Bendelstein, doch ergeben sich ziemliche Schwierigkeiten, weil der Besitzer ein viel größeres Grundstück, als der Verein braucht, verpachten will. Nach langem Unterhandeln ist die Sache soweit gediehen, dass der Besitzer einen Teil des Grundstückes an Herrn Richard Liebmann, einen tatkräftigen Förderer des Fußballsports und er Ertüchtigung der Jugend auf dem grünen Rasen, verkauft. Indessen hat auch die Stadtverwaltung unter dem Bürgermeister Achilles den Wert vor allem des Jugendsportes und die Errichtung von Spielplätzen erkannt. Sie kauft das Grundstück und gibt es pachtweise für 90,00 RM jährlich an den AFC ab. Durch diese relativ guten Bedingungen stimuliert, zeigen sich die Fußballer des AFC schon im Frühjahr 1908 von ihrer besten Seite. Die 1. Mannschaft wird 1908 Meister in der 2a-Klasse des Sportgaues Vogtland im Verband des VMBV. Wie gut die Spieler dieses Klubs Fußball spielen können, beweisen sie in den Gesellschaftsspielen 1908, als sie Concordia Plauen (1. Klasse - Sportgau Vogtland) mit 2:1 besiegen. Auch gegen Britanikia Plauen gewinnt der AFC mit 5:4 Toren. Die Wettspiele werden im Anzeigenteil der "Auerbacher Zeitung" am jeweiligen Spieltag angekündigt. In einer Anzeige vom 10. Mai 1908 heißt es: "Fußball-Sonntag, den 10.d.S., nachmittag 1/2 4 Uhr VFC II Plauen - AFC I Auerbach, Wettspiel."

Am Pfingstsonntag des Jahres 1908 schauen auf dem Auerbacher Sportplatz hunderte Menschen dem Wettspiel zwischen dem AFC I und dem Fußballclub Falkenstein I zu. Unter den Zuschauern befinden sich ca. 200 Falkensteiner Anhänger. Das Spiel endet 2:2-Unentschieden. Die zunehmende Popularität des Fußballspiels in Auerbach und Umgebung widerspiegelt sich im Anzeigenteil des "Auerbacher Zeitung". Am 13. Mai 1908 annonciert der Auerbacher Geschäftsinhaber Glitzner, Schützenstraße 8: "Fußballsport, Fußbälle prima Qualität in echt englischen Lederfellen, vorschriftsmäßig zu Ausführungen von Match empfiehlt in allen Größen billigst." Das Interesse des Publikums an den Fußballspielen wächst mehr und mehr. So hat an einem Wochentag das Spiel des AFC gegen die Fußballmannschaft des 105er Soldatenregiments ungefähr 3000 Zuschauer angelockt. Sie werden nicht enttäuscht: Nach aufregendem Kampf- und Spielgeschehen gewinnt die Erste des AFC gegen die technisch versierten und athletisch gut ausgebildeten Armeefußballer mit 2:1 Toren. In den Folgejahren gewinnt der Fußball im Göltzschtal weiter an Popularität und die Wettspielmöglichkeiten häufen sich.


Die Damen des AFC

Vom 4. Stiftungsfest des AFC ist überliefert, dass die Damen Martha Meisel, Paula Schönrich, Dora Thomas, Margarethe Liebmann, Clara Rudolf und Helene Rettich dem Verein ein herrliches Tischbanner überreichen. Die Vereinsleitung sieht das als Beweis dafür, "daß auch die Damen in Auerbach mit Lust und Liebe an ihrem Verein hängen." Nach sieben Jahren der Vereinsarbeit als AFC erfolgt auf Grund des "wachsenden Aufgabenkreises" die erstmalige Eintragung ins Vereinsregister (20.06.1913). Noch im gleichen Jahr erlebt der Verein einen weiteren historischen Tag. Die alte Spielfläche entsprach nicht mehr den Anforderungen der Zeit: Höherklassige Mannschaften lehnten das Spielen in Auerbach ab. Die Stadt kündigte den alten Pachtvertrag. Ein neues Gelände wird bereitgestellt und vom Verein gekauft. Auf einem 17.000 km2 großen Grundstück zwischen Bendelstein und Feldschlößchen entsteht eine der modernsten Anlagen der damaligen Zeit. Sie wird am 5. Oktober 1913 eingeweiht. "In schönster Harmonie und unter zahlreicher Beteiligung aller Kreise nehmen die Feierlichkeiten einen glänzlichen Verlauf", berichtet die "Auerbacher Zeitung". Und wieder werden die Damen des Vereins erwähnt: Sie überbringen nämlich eine Spende von 200 Mark, die für die Anlage eines Tennisplatzes verwendet werden soll. Das erfolgt dann auch. Mit dem Verkauf von 5-Mark-Anteilsscheinen wird die restliche Bausumme aufgebracht.


Der 1.Weltkrieg

Die Vorbereitungen auf ein großes Park- und Sommerfest laufen noch beim AFC auf Hochtouren, da bricht der erste Weltkrieg aus. Anfangs hoffte man noch auf eine schnelle Rückkehr der vielen Vereinsmitglieder, die sofort eingezogen wurden. Es zeigte sich jedoch bald, dass die verfehlte Politik des Deutschen Kaiserreiches tragische Folgen für so viele Deutsche und damit auch Mitglieder des AFC haben sollte: Als die letzten "Hüter der AFC" eingezogen wurden, griff man erstmals durch eine Frau aktiv ins Vereinsleben ein. Fräulein Valeska Müller leitete nun in aufopferungsvoller Art und Weise die Geschicke des Vereins. Sie hält den Kontakt zu den Mitgliedern im Feld aufrecht und macht sich ganz besonders verdient darum, dass der Verein diese schwere Zeit übersteht. Vierzehn Sportkameraden kommen nach dem Krieg nicht nach Auerbach zurück. Um sie trauern Freunde und Hinterbliebene. Der Neubeginn fällt den zurückgekehrten sehr schwer: Es ist 1918 nur noch ein kleines Häufchen , das wieder beginnt, die Vereinsarbeit anzukurbeln. Es ist sicherlich auch der inzwischen gewachsenen Rolle der Frau zuzuschreiben, dass nun neben Fußball auch weitere Sportarten, wie Tennis, Leichtathletik und Wintersport aktiv im Verein betrieben werden.


Umbenennung des AFC in VfB

Der engagierten Arbeit im Verein nach der schweren Zeit des Krieges ist es zu verdanken, dass die Mitgliederzahl 1919 schon wieder auf 257 gestiegen war. Am Karfreitag, dem 18. April 1919 reagierte der AFC mit einer Anzeige auf die neue Situation im Verein wie folgt: "Der rährige Auerbacher Fußballclub e.V., welcher in kurzer Zeit auf sein 13-jähriges Bestehen zurückblicken kann, hatte gestern seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Versammlung zusammengerufen. Als wichtigster Punkt stand auf der Tagesordnung: Namensänderung. Durch seine großzügige Anlage wurde er in die Lage versetzt, nicht nur den Fußballsport auszuüben, sondern auch Tennis, Leichtathletik, andere Bewegungsspiele und Wintersport. Daher sah er sich veranlaßt, seinen Namen, der Vielseitigkeit seiner Tätigkeit entsprechend abzuändern und wird künftig als 'Verein für Bewegungsspiele e.V. Auerbach i.V.' fortbestehen. Möge ihm unter dem neuen Namen auch fernerhin recht reges Interesse entgegengebracht werden. VfB e.V." Sein erstes Spiel bestritt der Verein unter neuem Namen übrigens gegen die damalige Spitzenmannschaft Alemania Aue. In der 89. Minute erzielten die Gäste das Siegtor zu deren 3:2-Sieg. Bei der Begegnung der zweiten Vertretung siegte der VfB mit 5:2.


18.09.1921 - Einweihung des neuen Stadions am Ziegeleiweg

Ende des Jahres 1920 bot sich dem VfB Auerbach eine günstige Gelegenheit, ein näher an der Stadt gelegenes Grundstück zu erwerben, welches für eine Sportanlage wie geschaffen war. Es war die Winkelmannsche Ziegelei, die abgetragen wurde. Nach eingehenden Verhandlungen des Herrn Kurt Hahnebach mit Herrn Baumeister Winkelmann wurde das ca. 23.000 m2 große Grundstück Herrn Winkelmann abgekauft. Nun begann ein gewaltiges Stück Arbeit, denn viele Kubikmeter Erde mussten abgegraben werden, damit eine ebene Spielfläche entstand, die an einer Seite von natürlichen Stufen abgegrenzt war, um den Zuschauern bessere Übersicht zu gewähren. Eine massive, von Zementsäulen getragene Planke umgab das Spielfeld. Daneben entstanden zwei Tennisplätze. Ein vom Ziegeleibetrieb noch stehendes langes Gebäude wurde zu einem einfachen Klubhaus mit Geschäftszimmer, Kantine und Umkleideräumen hergerichtet.

Die Einweihung der Anlage erfolgte am 18. September 1921, um 14:00 Uhr. Die aktiven Mitglieder des Vereins liefen vom alten Spielplatz zu der neuen Anlage. Hier trafen sechs Mannschaften in Spielkleidung an, die das Spielfeld unter den Klängen einer Musikkapelle umliefen und dann vor der Tribüne Aufstellung nahmen, Herr Lehrer Schaarschmidt als Vertreter des VfB Auerbach, begrüßte die über 2000 Zuschauer und Ehrengäste. In seiner Rede gab er der Hoffnung Ausdruck, das noch recht viele das Ammenmärchen vom "rohen Fußballsport" begraben helfen möchten. Fußball ist das Kampfspiel des Mannes, betont Schaarschmidt. Amtshauptmann Dr. Schelcher hielt die Weihrede. Dann folgten zur Umrahmung der Platzweihe Übungen der Turner. Anschließend fand das Fußballspiel zwischen dem VfB Auerbach und dem VfB Reichenbach statt. Die Auerbacher spielten groß auf und gewannen mit 4:0 Toren. Auf dem alten Platz trafen zur selben Zeit der VfB Auerbach II und der VfB Rodewisch II im Punktspiel aufeinander. Auch hier waren die Auerbacher Fußballer mit 4:0 Toren erfolgreich. Die neue Anlage machte einen imposanten Eindruck und sollte noch großzßgiger dadurch werden, dass der vorhandene Teich zu einem Bad ausgebaut werden sollte. Leider wurde dem VfB Auerbach der Rang durch die entstandene Badeanlage in Rodewisch abgelaufen, sodass der Badebetrieb zurückging und ganz verschwand. Die gebauten Zellen wurden in Umkleideräume umgewandelt.

Die schöne Anlage und die immer mehr anwachsende Sportbegeisterung brachte es fertig, dass die Mitgliederzahl des Vereines die 500 beträchtlich Überschritt. Als allerdings das Bad ganz stillgelegt wurde, ging die Zahl der Mitglieder wieder zurück. In dieser Zeit war die Pflege der Geselligkeit innerhalb des Vereins auf der Höhe, denn die gut vorgerichteten Aufenthaltsräume des Klubheims verleiteten so manches Mitglied, in seinen freien Stunden daselbst zu verbringen. Zu erwähnen sei noch, dass der Verein von vornherein die Bewirtschaftung selbst übernommen hat, bis nach verschiedenen Wechsel die Verwaltung der Kantine an Frau Marie Fritzsch überging.


Zwischen den Weltkriegen

Unter dem neuen Namen stabilisierte der VfB in den kommenden Jahren seine Spielfähigkeit. Sportlich gesehen stehen Anfang der 20er Jahre oftmals die Duelle mit den Ortsnachbarn FC Sportfreunde im Mittelpunkt des Auerbacher Fußballinteresses. Dabei teilen sich die Vereine oftmals den Erfolg. Not und Elend bestimmen in dieser Zeit allerdings das Leben der VfB-Mitglieder. Das Vogtland war von der Reichsregierung zum Notstandsgebiet erklärt worden. Die Unterstützung für Arme und Arbeitslose beträgt ca. 30 RM pro Woche. Das Geld reicht oft nicht für das Lebensnotwendige aus. Der Hunger hält überall Einzug. Streiks und Aussperrung bestimmen das gesellschaftliche Leben. Trotz dieser Misslichkeiten bemühen sich die Verantwortlichen beim VfB, das Leben im Verein aufrechtzuerhalten. Wöchentlich lädt man seine Mitglieder zu Wanderungen in die nähere Umgebung ein. Diese Veranstaltungen wurden meist zu einem Stelldichein nicht nur der aktiven, sondern auch der Mitglieder aller anderen Sportabteilungen. Zu Zeiten der wirtschaftlichen Krise rückten die Mitglieder enger zusammen. 1922 gelang den Fußballern des VfB der Aufstieg in die Liga, der auch Falkenstein angehörte. über den Erfolg in der Liga hatte man über entsprechende Ausscheidungsrunden sogar die Chance um die Deutschen Meisterschaften zu spielen. Ein Kuriosum brachte dann das Göltzschtalderby am 10. September 1922. Punkt 15:00 Uhr standen nur sechs Auerbacher auf dem Platz. 2000 Zuschauer konnten es nicht fassen. Das Liga Derby war verloren gegangen, bevor es begann. Die VfB-Spieler waren zwar anwesend, hatten aber das Umkleiden nicht rechtzeitig beendet. Man einigte sich dann auf die Durchführung eines Freundschaftsspieles, das der VfB dann 3:1 gewann. Später wurde auch noch der Ligameister Concordia Plauen vor 2.500 Zuschauern geschlagen. Der überragende VfB-Torhüter Schwabe rettete mit riesigen Paraden das 1:0.


Leistungsschwankungen typisch für den VfB in den Jahren bis 1933

In diesem Zeitraum spielte der VfB Auerbach in der Klasse I und I b des Sportgaus Vogtland. Aus den Spielberichten ist ersichtlich, dass der VfB über eine gute 1. Mannschaft verfügte, die leistungsstark auftrumpfen konnte, jedoch in entscheidenden Spielen unter ihrem Leistungsniveau blieb. Die Kritiken der Berichterstatter der "Auerbacher Zeitung" und der Fußballexperten der Region sind dazu eindeutig formuliert. Ein typisches Beispiel für diese Leistungsschwankungen war das Entscheidungsspiel um den Meistertitel der I-b-Klasse Vogtland am 28. Februar 1932 gegen die Spielvereinigung Plauen. Beide Mannschaften lagen mit 27:9 Punkten an der Tabellenspitze. Entsprechend den Reglement mussten sie auf neutralem Boden, und zwar in Falkenstein, gegeneinander spielen, um den Meister zu ermitteln. Der VfB war aufgrund seiner Spielstärke eindeutig Favorit. über 1.000 Zuschauer stärkten der Mannschaft den Rücken. Nach rasantem Beginn, der darauf hindeutete, dass die Meisterschaft nach Auerbach geholt werden kann, fiel plötzlich das Auerbacher Spiel auseinander und der VfB lag bis zur Pause mit 1:2 im Rückstand. Am Ende hieß es dann 4:2 für die Spielvereinigung Plauen und die Meisterschaft war für den VfB verloren gegangen. Trotzdem stieg er als Zweitplatzierter mit in die I. Klasse des Sportgaus Vogtland auf und erreichte dann im Spieljahr 1932/33 den 10. Platz von 13 Mannschaften. Hinter ihm blieben nur der 1. FC Reichenbach, VfR Plauen und der VfB Lengenfeld. Im Sportgau Vogtland gehörten zu den Staffeln, in denen die Meisterschaften auf verschiedenen Ebenen ausgetragen wurden, nicht mehr als zehn Mannschaften. Demzufolge waren die Verbandsspiele zeitmäßig schnell beendet, wenn nicht gerade Wetterunbilden, wie der sehr kalte Winter 1929, den Spielbetrieb ihren Stempel aufdrückten, und es zu Spielausfüllen und Nachholspielen kam. Unabhüngig davon blieb zwischen den Meisterschaftsrunden von Spieljahr zu Spieljahr viel Zeit, die von den Vereinen mit zahlreichen Freundschaftsspielen ausgefüllt wurden. So gewann der VfB im April 1924 ein solches Freundschaftsspiel gegen den Vogtlandmeister Concordia Plauen mit 3:2 auf dem gefürchteten Concordia-Platz in Plauen.


Neue Strukturen 1933

Der Deutsche Fußballverband änderte 1933 die Strukturen der deutschen Spielklassen. Ziel war es, dabei die Spitzenmannschaften in wenigen Staffeln zusammenzufassen. Die Gauligen, die in etwa der heutigen Landesliga entsprechen, wurden geschaffen. Mehrere Anläufe des VfB, diese Klasse zu erreichen, schlugen allerdings fehl. Der Verein spielte in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg vorwiegend in der darunterliegenden Bezirksklasse, die leistungsmäßig allerdings nicht viel niedriger eingeschätzt wurde als die Gauliga. Im Jahr 1938 musste der VfB aus der Bezirksklasse absteigen. Im Jahr darauf wurde vor 4000 Zuschauern beim letzten Spiel der Saison der Staffelsieg errungen. Die Aufstiegsspiele wurden dann auch erfolgreich gestaltet. Mit Beginn des Krieges wird die Bezirksklasse Plauen/Zwickau aufgelöst. Im April 1940 endete die letzte Runde. Auerbach kommt auf Platz 4 an und es folgen fünf schwere Kriegsjahre. Als sich danach die Spieler des VfB wieder zu ersten Spielen zusammenfanden, fehlend sehr viele alte Sportkameraden. Wie bei allen anderen Vereinen auch, trauern die VfBler um ihre im Krieg gefallene Freunde.


Die Nachkriegsjahre - 1945-1950 Sportkartell und KWU Auerbach

Aufgrund des Befehls Nr. 2 des obersten Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland vom 10. Juni 1945 sind alle Vereine aufgelöst worden. Das betraf auch den VfB Auerbach. Die aus den Reihen des ehemaligen VfB übrig gebliebenen bzw. aus dem Krieg zurückgekehrten Spieler und Funktionäre wollten aber ihren Verein keineswegs so ohne weiteres aufgeben. Sie fanden sich wieder zusammen und trainierten, soweit es die Bedingungen erlaubten. Das 1. Fußballspiel nach Kriegsende fand bereits im August 1945 gegen Rodewisch auf dem Turnplatz an der Burgstraße in Rodewisch statt. Unabhängig vom Ergebnis, das 3:2 für Auerbach lautete, war es ein Neubeginn. Doch vereinsmäßig blieb das Ganze vorerst noch im Argen. Die Sportler verzagten nicht und fanden Unterstützung bei den Auerbacher Kommunisten Franz Leucht und Franz Girgner. Gemeinsam mit diesen beiden wurde im Herbst 1945 ein Sportkartell unter dem Namen "Sport- und Kultur-Kartell Auerbach i.V. - Sparte Fußball (Ziegeleiweg)" gegründet. Die Gründung musste vor dem Sportlerheim stattfinden, weil das selbige noch von Umsiedlern belegt war. Eines der ersten Spiele unter dem neuen Namen wird für den 18.11.1945, 14:30 Uhr, in Auerbach wie folgt angekündigt: "Fußballspiel FC Rebesgrün I / Sp.V. Auerbach I, Vorher Jugendspiel". Ein weiteres Spiel ist dann für Sonntag, dem 02.12.1945, 14:00 Uhr, am Ziegeleiweg vorgesehen. Auerbach I und Falkenstein I sollen sich gegenüberstehen und vorher wieder ein Jugendspiel stattfinden. Die Einnahmen sollen der Volkssolidarität zukommen, die gerade in diesen Tagen volle Unterstützung braucht, um den vielen Notleidenden Hilfe geben zu können. In dieser Zeit durften auf Anweisung der sowjetischen Militärregierung Fußballspiele nur im Rahmen bestimmter territorialer Grenzen durchgeführt werden, die im Prinzip denen der Kreise gleichkamen. Doch es gab auch Ausnahmen: So war der Stadtkommandant von Meerane ein ausgesprochener Fußballfanatiker, der Fußball nicht nur lokal beschränkt sehen wollte. Unter seinen Fittichen kam dann ein Fußballspiel zwischen Auerbach und Meerane zustande. Die Auerbacher, so erinnert sich Karlheinz Müller, traten in graugrünen Hosen und rotem Dress an. Zur Halbzeit stand es 2:1 für Auerbach. Als das Spiel in der 2. Halbzeit lief, tauchte plötzlich ein Polizist auf. In seiner schwarz eingefärbten Militäruniform wirkte er als Respektperson und so konnte ungestört seines Amtes walten. Schnurstracks betrat er das Spielfeld, nahm den Ball an sich und begab sich mit dem von ihm beschlagnahmten Objekt in die Stadt zu seiner Dienststelle. Alle - Spieler, Zuschauer, als auch der Meeraner Stadtkommandant - waren so perplex, dass kein Protest aufkam. Guter Rat war teuer, denn ein zweiter Ball war nicht vorhanden, und selbst wenn, nach dieser Amtshandlung hatte keiner mehr den Mut zu spielen. Da nahm der Meeraner Kommandant das Heft in die Hand. Er fuhr zum Auerbacher Stadtkommandanten und, wer weiß wie, auf alle Fülle kam er mit dem Ball zurück. Das Spiel konnte unter seiner Obhut fortgesetzt und zu Ende geführt werden.

Mit dem Frühlingserwachen 1946 bekam auch der Fußball im Vogtland wieder seinen Aufschwung. Am 30. März 1946 spielte Auerbach I in Reichenbach gegen die dortigen Hausherren und gewannen mit 5:2. Am 7. April 1946 wurde dagegen auf eigenem Platz gegen Netzschkau mit 1:2 und beim Rückspiel in Netzschkau mit 1:3 verloren. Noch schlimmer kam es dann bei einem Bezirksliga-Punktspiel in der Serie 1948/49 in Aue vor 2000 Zuschauern. Zur Halbzeit lagen die Auer bereits mit 4:0 vorn und am Ende konnten sie einen 6:1-Sieg über Auerbach verbuchen. Am 05.12.1949 veröffentlichte das Kommunale Wirtschaftsunternehmen (Gas, Elektrizität, Bau) Auerbach einen Aufruf, der zur Gründungsversammlung einer Sportgemeinschaft aufrief. Diese fand am 07.12.1949 statt. Es wurde die BSG KWU Auerbach gegründet. Unter dieser Bezeichnung spielte die 1. Fußballmannschaft dieser BSG 1949/50 in der Bezirksliga und bis Ende 1950 in der Südwestsächsischen Bezirksklasse. So spielte die KWU am 21.10.1950 gegen die "Spinnfaser" Elsterberg I in Elsterberg 1:1, und am 12.11. folgte gegen die Mannschaft der Volkspolizei Plauen mit dem 2:2 ein weiteres Unentschieden. Bis nach dem 7. Spieltag behauptete man die Spitze. Höhepunkte waren in dieser Saison die Ortsderbys mit Rodewisch. Sie endeten vor jeweils 2500 Zuschauern 0:0 und 2:1 für Rodewisch. Am 14. Oktober 1950 trafen sich die Fußballer aus Auerbach und Rodewisch zu einem Ortsderby unter Flutlicht. Der KWU Auerbach werden dabei zwei mächtige Happen vorgesetzt. Diese Zeit, was zumindest gutes Essen und Trinken betrifft, sind nicht die besten gewesen. Deshalb wird die Einladung zu einem Schmaus von den Spielern beider Mannschaften gern angenommen, auch wenn er vor dem Spiel stattfindet. In der Rodewischer Berufsschule hat dann der Hendels Fleischer mächtige Fleischberge "aufgefahren" und an Trinkbaren steht mehr als genügend auf den Tischen. Als zum Aufbruch geblasen wird, haben einige Spieler schon die Hemmschwelle überschritten. Aus den Auerbacher Reihen hört man die Kunde: Wir spielen nicht nur unter Flutlicht, sondern wie die Weltmeister. Immerhin warten auf dem Rodewischer Sportplatz unter einer Beleuchtung von 25.000 Watt mehr als 4.000 Zuschauer. Dieses Licht, welches die Spielfläche erhellt und ein weltmännisches Fluidum ausstrahlt, ist nicht nur eine Premiere im Göltzschtal, sondern zugleich auch ein einmaliges Erlebnis für alle Beteiligten. Ob nun nüchtern oder leicht angesäuselt, die SG Rodewisch spielt die KWU Auerbach vollkommen an die Wand. Trotz des Aufbäumens der Auerbacher Spieler gepaart mit enormen Kampfgeist vermögen sie nichts auszurichten. Rodewisch gewinnt das Derby mit 6:0 Toren. In diesen ersten Nachkriegsjahren werden auch verschiedene materielle Bedingungen für das Fußballspielen in Auerbach verbessert. Der mit Schlackebelag ausgestattete Fußballplatz am Ziegeleiweg wird neu gestaltet und mit einer Rasendecke versehen. Auch das Sportlerheim kann wieder genutzt werden, nachdem die dort einquartierten Umsiedler in andere Unterkünfte umgezogen sind.


1951 - Die Gründung der BSG "Einheit" Auerbach

Am 6. Januar 1951 wird die Sportgemeinschaft des Kommunalen Wirtschaftsunternehmens (KWU) Auerbach in die neu gebildete Betriebssportgemeinschaft "Einheit" Auerbach überführt. Die BSG "Einheit" entwickelt sich mit ihren neun Sportarten zur größten Sportgemeinschaft des Kreises Auerbach. Ende 1989 beträgt die Mitgliederzahl der BSG Einheit Auerbach über 1.100. Folgende Sportarten wurden betrieben: Boxen, Fechten, Fußball, Kegeln, Rollsport, Tennis, Tischtennis, Turnen/Gymnastik und Wandern/Touristik. Für die guten Leistungen wird die BSG "Einheit" Auerbach 1982 durch das Präsidium des DTSB-Bundesvorstandes mit dem Ehrentitel "Vorbildliche Sportgemeinschaft des DTSB der DDR" in Berlin ausgezeichnet. Die erste Fußballmannschaft spielte vom 06. Januar 1951 bis zum Landesliga-Aufstieg 1994 als BSG "Einheit" Auerbach (ab April 1991 wieder als VfB Auerbach) 26 Jahre in der Bezirksklasse und 18 Jahre in der Bezirksliga.


1951-1996 - Ein Überblick über glückliche Stunden

Die 1. Fußballmannschaft der BSG "Einheit" Auerbach nimmt Ende des Spieljahres 1949/1950 mit 28:24 Punkten den 4. Tabellenplatz in der Bezirksklasse ein. Glückliche Stunden für die Spieler, Funktionäre und Fans gibt es dann, wenn der Aufstieg zur nächsthöheren Spielklasse geschafft, der Klassenerhalt gesichert oder gar ein Spitzenplatz erspielt werden konnte. Zweimal halfen dabei auch glückliche Umstände mit: Zum Beispiel im Spieljahr 1961/62 als der 2. Platz in der Bezirksklasse erspielt wurde und die drei Erstplatzierten zur Bezirksliga aufsteigen konnte; oder 1972/73 als hinter Wismut Aue III der 2. Platz mit 42:13 Punkten und 85:24 Toren erreicht wird. Da die Erzgebirgler nicht aufstiegsberechtigt sind, kann die BSG Einheit in die Bezirksliga einziehen. Zweimal, und zwar in den Jahren 1978/79 und 1984/85 kann nach vorherigen Abstieg aus der Bezirksliga auf Anhieb der Wiederaufstieg geschaffte werden. Zu den glücklichen Stunden gehört auch manch Kurioses am Rande eines Fußballspieles. Ein solches Kuriosum erfahren wir aus einem Beitrag der Schwäbisch-Haller Zeitung vom April 1955. Es heißt dort: "SC Steinbach (Württemberg Amateurliga) - BSG Einheit Auerbach 1:2. Dem Sportclub Steinbach war es ein Herzensbedürfnis, die ostdeutschen Sportfreunde über die Ostertage nach hier einzuladen. Steinbach wollte die im Vorjahr im Vogtland erlittene 0:4 Niederlage wieder wettmachen und legte sich von Anfang an mächtig ins Zeug. Doch gestehen wir, wir waren bald ehrlich überrascht vom soliden Können der Sportkameraden aus dem Osten unserer gesamtdeutschen Heimat. Es gab keine schwache Stelle im Mannschaftsgefüge der Auerbacher, darüber hinaus ausgezeichnete Könner, wie Torhüter Koch, im Angriff bestach Sturmführer Schmalfuß, ungemein trickreich und schnell. Die Gästeführung Mitte der ersten Halbzeit war verdient. Dann eine einmalige Leistung von Schmalfuß, als er zuerst drei Gegner stehen ließ und zum 0:2 einschob. Erst in der vorletzten Minute konnte Hübner durch Kopfball auf 1:2 verkürzen. Der SC Steinbach wird sich auch in Zukunft bemühen, die freundschaftlichen Beziehungen weiter auszubauen, haben wir doch gesehen, dass jenseits des "Eisernen Vorhanges" Menschen wohnen, die nicht nur unsere Sprache sprechen, sondern die gleich uns nur den einen Wunsch haben, die unselige Grenzen fallen zu sehen. Am Rande dieses Besuches eine kleine rührende Begebenheit: Als der Steinbacher Quartiergeber, Hans Butenweg, seines Gastes ansichtig wurde, erkannter er in ihm einen alten Kriegskameraden, mit dem er in Afrika gekämpft und später in Amerika als Kriegsgefangener zusammen war, Sportfreund Egon Roßbach aus der Auerbacher Delegation. Dass hier natürlich die Freude über das unverhoffte Wiedersehen doppelt groß war, konnte nicht überraschen.


1955 bis 1957 - Der Bau eines neuen Sportlerheimes

Unter der Überschrift "Die Einheit-Sportler haben gezeigt, wie man es machen muss", erscheint in der "Freien Presse" vom 27.April 1957 ein Beitrag, der im wesentlichen folgenden Inhalt hat: "Wo früher eine alte Bude, zusammengezimmert aus Brettern und Lehm, stand, ist heute ein schönes neues Heim, das Sportlerheim der BSG Einheit Auerbach an der Kurt-Mittag-Kampfbahn zu sehen. Wenn auch noch der Außenputz fehlt und dadurch das Gebäude nicht gerade sehr einladend wirkt, so ist man um so mehr von der Innenausgestaltung des Heimes überrascht. Ein geschmackvoll ausgestatteter Vorraum, der große Saal, die Umkleideräume, Waschanlagen und das Klubzimmer, alles ist so eingerichtet, dass sich die Sportler wirklich darin wohl fühlen können. Das fiel aber den Einheit-Sportlern nicht einfach in den Schoß, denn sie selbst waren die Bauherren und Bauausführenden. Es war im Herbst 1955, als die Sportler der BSG Einheit den köhnen Entschluss fassten, das alte baufällige Heim abzureißen und ein neues zu bauen. Gesagt - getan, um im März 1956 waren die Abbrucharbeiten beendet. Am 21.April 1956 wurde der Grundstein gelegt. Nun ging die Arbeit erst richtig los, und es verging kaum ein Tag, wo nicht die Sportfreunde, auch bei Wind und Regen, bis in die Nacht hinein bei Scheinwerferlicht an ihrem Heim arbeiteten. 219 Sportler opferten ihre freie Zeit und leisteten insgesamt 9.348 freiwillige Arbeitsstunden. Es gab auch einige sehr "Schlaue" (nicht unter den Sportlern), die wollten es genau wissen, dass das mit dem Bau sowieso nichts wird. Wir kennen diese Sorte Menschen, die in allen Dingen unseres täglichen Lebens herummeckern, nie aber selbst zugreifen, um etwas zu verändern. Die Einheit-Sportler haben jedenfalls gezeigt, wie man es machen muss, haben bewiesen, dass ein gutes Kollektiv große Kräfte hat, um etwas Neues zu schaffen. Sie bauten mit Unterstützung des Staates und der Hilfe einiger Handwerker, die ebenfalls freiwillige Aufbaustunden leisteten, das modernste Sportlerheim des Kreises Auerbach. Nach einem Jahr, fast auf den Tag genau, am 18.April 1957 konnte nun das Sportlerheim eingeweiht werden. Die aktivsten Mitarbeiter hatten sich mit einigen Gästen im großen Saal versammelt, und es hätte nicht der Worte bedurft, denn die Freude und den Stolz auf ihr geschaffenes Werk konnte man jedem Sportler aus dem Gesicht lesen. Es ist auch unmöglich, diesen selbstlosen Einsatz der Sportler in Zahlen oder Worten auszudrücken. Trotzdem sollen einige der Besten genannt sein, die auch an diesem Abend besonders geehrt wurden. Da ist der Sportfreund Herbert Scheibe, der nicht nur selbst beim Bau mitarbeitete, sondern sämtliche Projektierungsarbeiten kostenlos übernahm und damit 1068 freiwillige Arbeitsstunden leistete. Oder denken wir an den 76jährigen Platzwart Oertel, der mit 495 freiwillige Arbeitsstunden am Bau beteiligt ist. Diese beiden Freunde erhielten bereits als Anerkennung für ihre Leistungen die Aufbaunadel des Nationalen Aufbauwerkes in Gold mit Blattumrandung. Weitere vier, die Sportfreunde Kurt Claus, Egon Roßbach, Erich Petzold und Manfred Müller konnten zur Einweihung ebenfalls mit der Aufbaunadel in Gold mit Blattumrandung ausgezeichnet werden. Hoffen wir nur noch, dass das Sportlerheim von allen Besuchern als eine würdige Kulturstätte gepflegt wird, wo sich jeder wohlfühlen kann."


1951 bis 1991 - Bittere Stunden

Zu den bitteren Stunden zählen wohl die Abgänge guter Spieler zu dem neugegründeten Ortsrivalen "Wismut Auerbach" im Jahre 1952. Diese Wismut war in fast allen Belangen schon ein schwerer Brocken für die BSG "Einheit" und machte ihr mächtig zu schaffen, obwohl sich mit der Wismut-Mannschaft auch weiter große Erfolge für den Auerbacher Fußball einstellten. Es gelang der Wismut-Elf binnen kurzer Zeit zur Bezirksliga aufzusteigen und sich dort auch bis Ende der 50er Jahre zu behaupten. Natürlich kam es auch zu Ortsderbys der beiden Kontrahenten. Diese Begegnungen gehörten zu den großen Lokalschlagern und brachten bis zu 4.000 Zuschauer auf die Beine. Die Wismut gewann eines der bedeutensten Derbys mit 1:3 in der "Kurt-Mittag-Kampfbahn", der Heimstatt der BSG "Einheit" Auerbach. In den 44 Spieljahren von 1951 bis 1994 wurde 18 Mal in der Bezirksliga gespielt. Davon musste in 14 Spieljahren immer wieder Abschied von dieser Klasse genommen werden. 1970/71 lagen in der Reihenfolge Fortschritt Falkenstein, Einheit Auerbach und Fortschritt Treuen mit je 37:15 Punkten an der Spitze der Bezirksklasse. Nur das Torverhältnis von 74:35 (Falkenstein), 70:33 (Auerbach) entschied zugunsten von Falkenstein. Nachdem man sich von 1979 bis 1984 in der Bezirksliga behaupten konnte, musste die Einheit nach somit fünfjähriger Zugehörigkeit zur Bezirksliga in den sauren Apfel des Abstiegs beißen. Doch unverzagt gingen die Einheit-Fußballer ans Werk, um 1985 wieder den Aufstieg zu schaffen. Doch es schlug den Mannen aus der Kurt-Mittag-Kampfbahn wie ein Hammer auf den Kopf, als man am Ende des Spieljahres 1985/86 auf den vorletzten Platz angelangt war und erneut absteigen musste. Dieser Abstieg artete ernstlich zu einem Handicap aus. Es vergingen fünf Spieljahre, bis man endlich 1991 wieder an der Spitze der Bezirksklasse stand und den Aufstieg zur Bezirksliga nach langer Durststrecke geschafft hatte.


Die Zeit nach der Wende

Zu dem Zeitpunkt, als sich in unserem Land so ziemlich alles veränderte, befand sich der VfB in der Bezirksklasse. Nur einen Punkt vom Abstieg in die Kreisklasse entfernt, übernahmen die zu diesem Zeitpunkt als Nachwuchstrainer tätige Frank Steiniger (A-Jugend) und Volkhardt Kramer (C-Jugend) "nebenbei" das Training der Ersten. Der Klassenerhalt wurde nochmals gesichert. Als ein Jahr später die Personalnot nochmals besonders groß war, sorgte sich Volkhardt Kramer neben der Spielertrainer-Tätigkeit um die finanziellen Angelegenheiten des Vereins. So konnte sich Frank Steiniger ganz auf die Bezirksklassenmeisterschaft konzentrieren. Ihm wurde 1991 mit Andreas Bielau ein erfahrener Erstliga- und Nationalspieler als Co-Trainer und Spielertrainer an die Seite gestellt. Diese Mischung stimmte, zumal der engagiert arbeitende Nachwuchsleiter Steffen Schädlich dem Gespann auch gute Nachwuchsleute zum Einbau in die ersten Mannschaft anbieten konnte. So gelang dem Team der Aufstieg in die Bezirksliga Chemnitz.


Pfingsten 1991 - ein Meilenstein auf dem Weg des VfB

Kurz bevor im Frühjahr 1991 mit einem Sieg in Reichenbach der Aufstieg endgültig perfekt gemacht wurde, führte der VfB die "Ersten Auerbacher Fußballmeisterschaften" durch. Eingeladen wurden Städte Namens Auerbach aus dem Erzgebirge, der Oberpfalz, der Pfalz sowie die Partnerstadt Grevenbroich und Bad Tölz als Vertreter des Partner-Landkreises. Als Höhepunkt des Pfingstwochenendes spielte eine altrepräsentative Göltzschtalauswahl gegen die Deutsche Traditionsnationalmannschaft. Mehr als 3.000 Zuschauer sahen das Spiel. Etliche Sponsoren fanden sich zusammen und unterstützten das Fest und später auch den VfB. Im Verein rückte man noch näher zusammen und war ein klein wenig stolz darauf, dass man eine derartige Veranstaltung organisieren konnte. Es erfolgte ein sehr erfolgreiches erstes Jahr in der Bezirksliga. Und die Saison endete wieder mit einem Paukenschlag. Eine Europa-Auswahl mit Ex-Nationalspielern trat in Auerbach auf und FC Bayern Vize-Präsident Karl-Heinz Rummenigge begeisterte die FC-Bayern-Fans im Vogtland. Das zweite Bezirksliga-Jahr endete wiederum auf Platz fünf und der VfB hatte wieder einen Leckerbissen für seine Fans parat. Mit dem 1.FC Kaiserslautern gastierte im August 1993 der damals aktuelle Tabellenführer der Bundesliga in Auerbach. In einem begeisternden Spiel hält die aus den Bezirksligavertretungen aus Rodewisch und Auerbach rekrutierte Auswahl herrlich dagegen. Der Schwung des 4:6 wurde dann wohl von beiden Göltzschtalteams mit in die Saison genommen. Nach dramatischem Saisonverlauf hatte der VfB am Ende die Nase vorn. Dabei hatten die Verstärkungen zu Saisonbeginn bereits für viel Aufsehen gesorgt. Mit Dieter Burdenski, Matthias Ruländer, Ronni Worm und Willi van de Kerkhoff hatte der VfB Prominenz in den eigenen Verein geholt. Aufgrund dessen sorgte man zwar für viel Aufregung bei der Konkurrenz, musste sich aber damit abfinden, dass man nun grundsätzlich als Favorit galt. Das war vor allem kein leichter Job für Trainer Frank Steiniger. Dessen komplizierte Aufgabe war es, mit ständig wechselndem Kader zurechtzukommen. Dass sich der gewünschte Erfolg am Ende einstellte, ist daher ganz speziell auch sein Verdienst. Einen sehr großen Anteil am Erfolg hatten aber auch Andreas Bielau, der gemeinsam mit Rigo Pehlke zwei Drittel aller Tore schoss. Noch während der laufenden Saison stieß Dirk Barsikow von den Profis des CFC kommend zum Team hinzu. Die Hoffnung, dass er möglicherweise trotz bestehender Knieprobleme wieder spielen könnte, zerschlugen sich leider. Seine Erfahrung in vielen Jahren des Profifußballs kamen aber auch schon in dieser Zeit als sportlicher Berater zum Tragen. Am Ende der Saison 1993/94 stand dann mit dem Aufstieg der bis dahin größte Erfolg in der Vereinsgeschichte des VfB fest. Frank Steiniger verließ nach dieser Saison, auf dem Höhepunkt des Erfolges, den VfB. Zwanzig Jahre hatte er als Spieler der ersten und später zweiten Mannschaft sowie als Trainer Höhen und Tiefen durchlebt. Seine Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit zeichnete ihn stets aus bescherte ihm und der Mannschaft am Ende Erfolg.

Zur Aufstiegsmannschaft gehörten damals: Masseur Uwe Bachmann, Trainer Frank Steiniger, Dirk Barsikow, Mannschaftsleiter Ullrich Klörner, Manager Volkhardt Kramer, Matthias Ruländer, Ronni Worm, Andreas Bielau, Rigo Pehlke, Steffen Meisel, Thomas Heinz, Peter Ebert, Thomas Nahrendorf, Jörg Lange, Rene Wendler, V. Wetzel, Frank Wiesner, C. Gerlach, Jörg Hörning, Maik Schwabe, Gunter Schädlich, Jörg Morgner, Heiko Kunz, Joachim Bielau, Mario Söndermann, Mario Nausch, Jens Hornung.


1994 bis 2000: Das harte Leben in der Landesliga

Mit dem Aufstieg von der Bezirksliga in die Landesliga Sachsen beschrieb der VfB Auerbach ein neues Kapitel in der Vereinsgeschichte. Erstmals wurde der Verein auf der Landesebene sichtbar und legte in den Jahren in der Sachsenliga den Grundstein für den weiteren Aufstieg. In der neuen Liga kam auch neuer Schwung ins VfB-Team: Auf der Trainerbank übernahm des Ex-Chemnitzer Dirk Barsikow Platz. Seine höherklassige Erfahrung – und eine gut besetzte Mannschaft – schaffte auf Anhieb den Klassenerhalt. Platz acht mit 13 Punkten Vorsprung vor dem Absteigern Zschopau und Pirna-Copitz sprechen eine deutliche Sprache. Wie gut das Auerbacher Team tatsächlich war, sollte sich im zweiten Landesliga-Jahr zeigen. Nicht das verflixte zweite Jahr folgte auf die gute Debüt-Saison, sondern ein herausragendes Jahr, das allerdings nicht mit dem i-Tüpfelchen gekrönt wurde. Das wäre der Aufstieg in die Oberliga gewesen. Am Ende hatten der FV Dresden Nord die Nase vorn. Nur magere vier Punkte machten den Unterschied. Währenddessen wuchs für den VfB in unmittelbarer Nachbarschaft ein harter Konkurrent heran: Der 1.FC Rodewisch, der ein Jahr nach dem VfB den Sprung in die fünfte Spielklasse schaffte, gelang im ersten Landesliga-Jahr ein sensationeller 7. Platz. Im Folgejahr rückten beide Vereine – in der Tabelle – noch enger zusammen. Auerbach konnte die Leistungen des Vorjahres nicht bestätigen, kam aber dennoch vor dem Nachbarn ins Ziel ein. Immerhin ein Prestige-Erfolg.

Die drei erfolgreichen Jahre endeten jedoch abrupt: Nach dem Ausstieg eines Hauptsponsors musste sich der Verein in seiner Personalpolitik umstellen: Anstatt auf bewährte ehemalige Profis zu setzen, baute Auerbach ab dem Sommer 1997 verstärkt auf Spieler aus dem eigenen Verein und der Region. Der bisherige Manager Volkhardt Kramer übernahm nach dem Rücktritt von Dirk Barsikow auch den Trainerposten. Dem ambitionierte „Neuen“ auf der VfB-Bank war jedoch klar: Diese Saison würde ein schweres Jahr werden. Alles musste dem Klassenerhalt untergeordnet werden. Dabei musste der VfB bis zur letzten Sekunde zittern. Etwas neidisch musste der VfB dabei auf die Nachbarn nach Rodewisch schauen: Der 1.FCR hatte nichts mit dem Abstieg zu tun, ja spielte sogar im oberen Tabellendrittel mit. Das änderte aber nichts daran, dass wohl im Winter 1998 wohl eines der unvergesslichsten Derbys in der Landesliga stattfinden sollte. Im schneebedeckten Rodewischer Stadion der Jugend sollte Patrick Zschiesche, im Sommer zuvor von Bezirksliga-Absteiger SpVgg Falkenstein nach Auerbach gewechselt, den entscheidenden Treffer erzielen. Der Außenseiter hatte sich durchgesetzt – und sammelte damit wichtige Punkt im Kampf um den Klassenerhalt. Obwohl es nach einer Niederlage beim direkten Konkurrenten Chemnitzer FC II an den letzten Spieltagen noch einmal eng wurde, reichte es am Ende für die Gelb-Schwarzen. Ein weiteres Jahr Landesliga war sicher.

Das zweite Jahr der Konsolidierung endete ebenfalls mit dem Klassenerhalt – diesmal sogar recht souverän. Zudem lag Konkurrent Rodewisch auch nur einen Platz – aber immerhin sieben Punkte – vor dem VfB. Es sollte das letzte Jahr bleiben, in dem das Göltzschtal-Duell für den 1.FCR ausging. Der Wind drehte nämlich im Sommer 1999: Der VfB hatte sich von seinem Tief erholt und Teamchef Volkhardt Kramer begann mit der Neuaufstellung einer VfB-Elf, deren Grundgerüst fast ein Jahrzehnt lang für Auerbacher Erfolge sorgen sollte. Mit Gunnar Stabenow bekam der VfB beispielsweise einen genialen Spielmacher, dessen Qualitäten bei ruhenden Bällen die Fans an die Zeiten mit Eberhard Turner und später mit Uwe Pohl erinnern ließen. Mit Steve Gorschinek erhielt die VfB-Defensive zudem die nötige Qualität, um einen zweiten Landesliga-Frühling zu erleben. Mit dem vierten Platz im Sommer 2000 konnte der VfB mehr als zufrieden sein.

Wie viel Glück der VfB Auerbach tatsächlich in der finanziell und sportlich schweren Phase hatte, sollte sich im Spätsommer 2000 herausstellen. Dann ging nämlich die Göltzschtal-Konkurrenz unwüdig zu Ende: Der 1.FC Rodewisch ging in Insolvenz. Es verblieb nur noch der VfB Auerbach in der Landesliga.


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  • SV Babelsberg 03 : VfB Auerbach 1906

    20.05.2017 - Beginn: 13:30 Uhr

  • Spiele

    Siege

    Unent.

    Nied.

    Punkte

  • 1

    Jena

    34

    23

    6

    5

    75

    2

    Cottbus

    34

    19

    9

    6

    66

    3

    RB-LeipzigII

    34

    17

    9

    8

    60

    4

    Viktoria

    34

    15

    11

    8

    56

    5

    Babelsberg

    34

    16

    7

    11

    55

    6

    BAK

    34

    15

    8

    11

    53

    7

    Nordhausen

    34

    14

    9

    11

    51

    8

    Neugersdorf

    34

    13

    9

    12

    48

    9

    Hertha

    34

    12

    12

    10

    48

    10

    Lokomotive

    34

    13

    8

    13

    47

    11

    Schoenberg

    34

    13

    8

    13

    47

    12

    Meuselwitz

    34

    11

    12

    11

    45

    13

    Auerbach

    34

    11

    12

    11

    45

    14

    F-Walde

    34

    12

    9

    13

    45

    15

    BFC-Dynamo

    34

    12

    8

    14

    44

    16

    Luckenwalde

    34

    5

    9

    20

    24

    17

    Bautzen

    34

    3

    9

    22

    18

    18

    Neustrelitz

    34

    2

    5

    27

    11