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„Ego-Trips gibt es nicht – der Verein und unsere gemeinsame Sache stehen über allem.“ – Yannic Voigt über seine Rückkehr, den Teamgeist und den Erfolg des VfB
Interview mit Yannic Voigt
Yannic Voigt ist beim VfB Auerbach aktuell in bestechender Form. Nach einer bewegten Zeit im Profifußball, einer schwierigen Phase nach seiner Rückkehr und einigen Verletzungen hat sich der 24-Jährige unter Trainer Tommy Färber zu einem wichtigen Leistungsträger entwickelt. Mit vier Toren und zwei Vorlagen aus neun Einsätzen trägt der Flügelspieler maßgeblich zur starken Saison unserer Mannschaft bei. Der VfB steht aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz der Oberliga Süd. Wir haben mit Yannic über seine Verbindung zum Verein, seine Erfahrungen beim FSV Zwickau, die Gründe für den aktuellen Erfolg und die Ziele für die kommenden Wochen gesprochen.
Yannic, du bist beim VfB Auerbach groß geworden und hast hier deine fußballerischen Wurzeln. Was bedeutet dir der Verein heute und wie hast du die Rückkehr nach Auerbach erlebt?
Der Verein hat in meinem Leben, gerade in fußballerischer Hinsicht, einen großen Stellenwert. Die Menschen und der Verein bedeuten mir sehr viel. Auch nachdem ich damals weggegangen bin, haben wir den Kontakt nie verloren. Wenn ich die Möglichkeit hatte, habe ich auch während meiner Zeit in Zwickau immer wieder vorbeigeschaut. Im Stadion wurde ich stets offen und herzlich empfangen, und auch zu vielen Jungs aus der Auerbacher Mannschaft habe ich den Kontakt gehalten.
Deshalb ist es mir damals auch sehr leichtgefallen, als sich die Möglichkeit zur Rückkehr ergeben hat. Ich freue mich sehr, dass das geklappt hat, und fühle mich hier ausgesprochen wohl.
Du hast beim FSV Zwickau sowohl in der 3. Liga als auch in der Regionalliga gespielt. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?
Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel mitgenommen. Ich durfte fantastische Menschen kennenlernen, mit sehr guten Spielern zusammenspielen und mich auch mit starken Gegnern messen. Dabei sind viele Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen.
Natürlich habe ich mich auch fußballerisch enorm weiterentwickelt. Als ich mit 18 Jahren nach Zwickau gegangen bin, gab es noch einiges, woran ich arbeiten konnte. Insgesamt habe ich die Zeit beim FSV Zwickau sehr genossen und blicke gerne darauf zurück.
Deine erste Zeit nach der Rückkehr zum VfB war von Verletzungen und wenig Spielzeit geprägt. Wie schwierig war diese Phase für dich – auch mit Blick auf dein Selbstvertrauen?
Ich hatte mich relativ früh in der vergangenen Saison verletzt und anschließend immer wieder Probleme in diesem Bereich. Dadurch hatte ich nie wirklich das Gefühl, zu 100 Prozent fit zu sein. Das ist natürlich auch für den Kopf schwierig. Man hat immer wieder Bedenken, dass etwas passieren könnte, und findet dadurch nicht zu seiner gewohnten Stärke und seinem Selbstvertrauen zurück.
Man kann dann nicht völlig unbeschwert in ein Spiel gehen und sich selbst sagen: Jetzt passt alles wieder, jetzt bist du auch mental frei. Dieses Gefühl hat mich eine ganze Weile begleitet.
Unter Tommy Färber hast du in dieser Saison wieder zu deiner Stärke gefunden. Was hat sich für dich verändert und wie hat dir das Trainerteam dabei geholfen?
Ich kann dieses Jahr wieder viel unbeschwerter aufspielen. Wenn ich beispielsweise merke, dass der Muskel in dem früher verletzten Bereich müde wird, kann ich das sofort offen ansprechen. Die Kommunikation mit dem Trainerteam und dem gesamten Staff funktioniert hervorragend. Man wird unterstützt, motiviert und bekommt das Vertrauen vermittelt, dass man gebraucht wird.
Auch der Glaube an mich selbst ist in dieser Saison nie verloren gegangen. Das ist ein ganz wichtiger Unterschied zu meiner schwierigen Phase zuvor. Ich bin sehr glücklich darüber und hoffe natürlich, das Vertrauen des gesamten Vereins und des Trainerteams mit guten Leistungen zurückzahlen zu können.
Auch deine offensiven Zahlen stimmen: vier Tore und vier Vorlagen nach neun Einsätzen. Hast du bewusst etwas an deinem Spiel verändert?
Bewusst verändert habe ich eigentlich nichts. Ich denke, das liegt vor allem an unserer aktuellen Spielweise. Wenn ich sehe, wie oft wir in die gegnerische Box kommen und wie viele Flanken wir in gefährliche Räume bringen, ergeben sich einfach mehr Möglichkeiten, selbst torgefährlich zu werden.
Das geht aber nicht nur mir so, sondern betrifft die gesamte Mannschaft. Wir haben in dieser Saison bisher kein Spiel bestritten, in dem wir ohne eigenen Treffer geblieben sind. Das zeigt, wie unberechenbar wir offensiv auftreten und wie schwer es für unsere Gegner ist, uns über 90 Minuten vom eigenen Tor fernzuhalten.
Dein ehemaliger Trainer Rico Schmitt wurde beim FSV Zwickau kürzlich entlassen. Wie hast du diese Nachricht aufgenommen und verfolgst du die Entwicklung deines früheren Vereins noch?
Die Nachricht habe ich natürlich mitbekommen. Sie kam für mich nicht völlig aus dem Nichts, hat mich zu diesem Zeitpunkt aber trotzdem überrascht. Ich halte Rico Schmitt für einen sehr guten Trainer, der gut zum FSV Zwickau gepasst hat.
Man muss allerdings auch ehrlich sein: Mit dem aktuellen Tabellenplatz 11 hatte man sich in Zwickau sicherlich mehr erhofft. Auch wenn man vor der Saison angekündigt hatte, beim Wettrüsten der anderen Spitzenteams nicht mitmachen zu wollen, ist die aktuelle Situation sicher nicht der eigene Anspruch. Ob die Entscheidung letztlich berechtigt war oder nicht, kann man unterschiedlich beurteilen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wer seine Nachfolge antreten wird. Einen Trainer zu finden, der so gut zum FSV Zwickau passt, könnte schwierig werden. Mit vielen Spielern aus meiner damaligen Zeit habe ich weiterhin Kontakt. Wenn es die Möglichkeit gibt, schaue ich mir auch heute noch Spiele an – nicht nur im Fernsehen, sondern gerne live im Stadion. Es ist immer schön, vertraute Gesichter wiederzusehen. Ich bin gespannt, wohin die Reise für den FSV in dieser Saison noch geht.
Der VfB steht aktuell auf dem zweiten Tabellenplatz. Was macht die Mannschaft in dieser Saison so stark?
Ich denke, dass vor allem Erfolgsgier, Glaube, Geschlossenheit, Teamgeist und Bodenständigkeit dafür verantwortlich sind, dass wir aktuell dort stehen, wo wir stehen. Bei uns ziehen alle an einem Strang. Jeder lebt für den Erfolg des Vereins und der Mannschaft. Ego-Trips gibt es nicht – der Verein und unsere gemeinsame Sache stehen über allem.
Wir tauschen uns regelmäßig aus, und das ist enorm hilfreich. Ich glaube, dass uns diese Geschlossenheit auch im weiteren Saisonverlauf tragen kann.
Ihr steht nun bereits die zweite Woche in Folge auf Platz zwei. Wie nimmt die Mannschaft diese positive Entwicklung wahr?
Natürlich nehmen wir das wahr und sind auch stolz darauf, wo wir aktuell stehen. Andere Mannschaften würden gerne an unserer Stelle sein. Trotzdem machen wir uns keinen zusätzlichen Druck. Wie Tommy es auch gesagt hat: Wir sind Jäger. Wir sind nicht diejenigen, die mit der aktuellen Situation prahlen.
Entscheidend ist, dass wir bodenständig bleiben und mit Demut und Ernsthaftigkeit weiterarbeiten. Wir wollen unseren Fußball mutig und konsequent auf den Platz bringen. Gleichzeitig wissen wir, dass wir uns als Mannschaft noch weiterentwickeln können. Dieses Bewusstsein für unsere Möglichkeiten beflügelt uns aktuell sehr.
Wo siehst du die größten Fortschritte der Mannschaft und was funktioniert momentan besonders gut?
Vor allem offensiv funktioniert aktuell sehr viel. Aber auch die Kommunikation innerhalb der Mannschaft ist hervorragend.
Besonders weiterentwickelt haben wir uns aus meiner Sicht in unserer Mentalität. Wir sind keine Mannschaft mehr, die den Kopf in den Sand steckt oder erst einen besonderen Impuls von außen braucht, um sich aufzuraffen. Wir haben in dieser Saison schon einige echte Fights geliefert – beispielsweise im Derby gegen Plauen, als wir fast eine komplette Halbzeit in Unterzahl spielen mussten.
Wir sind eine Mannschaft, die powert, die kämpft und die sich nicht kampflos aufgibt. Wenn man sieht, wie einer für den anderen einsteht und jeder bereit ist, alles zu geben, ist das etwas Besonderes. Ich glaube, genau das ist ein wichtiger Schlüssel für unseren bisherigen Erfolg.
Was hast du dir persönlich und mit der Mannschaft für den weiteren Saisonverlauf vorgenommen?
Das Wichtigste ist für mich – und sicher auch für jeden anderen Spieler –, dass wir verletzungsfrei bleiben. Darüber hinaus wollen wir natürlich so lange wie möglich mit der Mannschaft im Spitzenfeld für Furore sorgen.
Wir sind niemand, der jetzt laut ausruft, dass wir aufsteigen müssen. Andere haben sich solche Ziele gesetzt. Wir fühlen uns in unserer aktuellen Rolle sehr wohl. Jetzt gilt es, als Mannschaft weiter oben mitzumischen und unseren Verein und die Fans mit attraktivem Fußball zu begeistern.
Wir wollen zeigen, dass unsere aktuelle Platzierung keine Momentaufnahme ist und wir mit unserer Spielweise dauerhaft erfolgreich sein können. Ich glaube, dass wir persönlich und als Mannschaft in dieser Saison noch einiges erreichen können.
Zum Abschluss: Was möchtest du den VfB-Fans mit auf den Weg geben?
Wir sind auf jeden Fall stolz auf jeden VfB-Fan, der uns nicht nur bei den Heimspielen, sondern auch auswärts unterstützt. Wir hoffen natürlich, dass wir mit unserem Fußball in dieser Saison noch den einen oder anderen zusätzlich ins Stadion locken können.
Gleichzeitig wissen wir, dass ohne unsere Fans hier nicht viel los wäre. Deshalb sind wir sehr dankbar für die Unterstützung und auch weiterhin auf sie angewiesen.
Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man nach einem Heimspiel durch die Kurve geht, mit den Fans abklatscht und hört: „Das war wieder ein geiles Spiel“ oder „Weiter so!“. Solche Momente geben uns viel zurück. Am Samstag gegen Krieschow wollen wir gemeinsam mit unseren Fans die nächsten drei Punkte feiern. Und auch in den Spielen danach wird ihre Unterstützung wieder sehr wichtig sein. Wir hoffen, dass wir unsere aktuelle Erfolgswelle gemeinsam mit ihnen weiter reiten können.
Vielen Dank, Yannic!
Wir bedanken uns herzlich bei Yannic Voigt für das offene Gespräch und die persönlichen Einblicke. Wir wünschen ihm und der gesamten Mannschaft weiterhin viel Erfolg, vor allem Gesundheit und eine erfolgreiche Fortsetzung der Saison!
Das Interview führte Christian Flechsig.





