Das Gefühl der Niederlage ist der VfB Auerbach in dieser Saison in der Fußball-Regionalliga gewohnt. Nur diesmal, bei der achten in der laufenden Saison, ist alles ein wenig anders. Denn trotz des 0:1 gegen Lok Leipzig am Mittwochabend erlebten die knapp 1000 Zuschauer die Auferstehung des alten VfB Auerbach. Das Team zeigte nicht nur das beste Saisonspiel, sondern auch die Tugenden, die Auerbach in der Vergangenheit aus und stark gemacht hatten: Leidenschaft, Kampf und Emotionen. Umso bittere hätten also das Fazit nach der unglücklichen und auch unverdienten Niederlage gegen die zuletzt so starken Leipziger ausfallen können. „Natürlich tut diese Niederlage weh“, sagte VfB-Coach Sven Köhler.
Allerdings mischt sich über den Schmerz eben auch eine positive Erkenntnis: Auerbach kann es noch. „Wenn man sieht, dass unsere Konkurrenten im Abstiegskampf gegen Lok klar mit 0:4 verloren haben, wir aber eigentlich einen Punkt verdient gehabt hätten, dann zeigt das einiges“, sagte VfB-Manager Volkhardt Kramer. Und so nimmt der Unterlegene sogar Selbstvertrauen aus der Niederlage mit – was aus Köhlers Aussagen klar zu hören ist: „Wir werden auf jeden Fall noch unsere Punkte machen.“
Doch woher stammt dieses neue Auerbacher Selbstbewusstsein trotz der noch immer prekären sportlichen Lage? Die Mannschaft hat klar erkennbar eine Entwicklung in den letzten Wochen hingelegt. Vor der Corona-Quarantäne hätte das Auerbacher Team die Partie gegen Lok wohl klar verloren. Zu instabil, zu naiv im Auftreten wirkte damals noch das Konstrukt – was wohl auch daran lag, dass das Auerbacher Team mit vielen extrem jungen Spielern spielen musste. Das hat sich seitdem geändert: „Vor der Pause haben uns mit Aleksandrs Guzlajevs und Philipp Müller Spieler gefehlt, deren Ausfall uns weh getan hat“, erklärt Köhler, der allerdings gegen Lok auch auf den erkälteten Müller verzichten musste. Doch mit den beiden Griechen Sempastiano Giaouplari und Michail Fragkos sind zwei Spieler zum Team hinzugestoßen, die ebenfalls eine deutliche Bereicherung sind. Sportlich und auch menschlich.
So wächst der Defensivspieler Giaouplari schon in eine Führungsrolle. Im Abwehrzentrum harmoniert er mit Marcin Sieber. „Wir kommunizieren viel“, sagt Giaouplari. In der Auerbacher Abwehr wird derzeit also Englisch gesprochen. Aber der Fußball kennt dann doch nur eine Sprache, wie der Grieche bestätigt: „Marcin ist ein taktisch kluger Spieler. Das funktioniert.“
Bitter nur, dass gegen Lok den Gästen eine Szene reichte, um die drei Punkte zu entführen. Auerbachs Defensive ließ sich bei einem schnellen Gegenzug zu leicht ausspielen – und wartet damit weiterhin auf ein Spiel ohne Gegentor. Das wäre allerdings weniger schmerzhaft gewesen, wenn in der Offensive das Abschlussglück der vergangenen beiden Spiele vorhanden gewesen wäre. Diesmal brauchte Auerbach zu viel Chancen. Marc-Philipp Zimmermann (32.), Michail Fragkos (67.) und Sempastiano Giaouplari (81.) hätten mindestens für ein VfB-Tor sorgen müssen. Dass aber auch mit den Griechen eine neue Stimmung in das deutlich erwachsener wirkende VfB-Team kommt, zeigt Giaouplaris Aussage nach dem Spiel: „Sicherlich waren wir heute die unglücklichere Mannschaft. Aber das ist die Schönheit des Fußball: An einem Wochenende schießt du spät ein Tor, im nächsten Spiel klappt es nach einem intensiven Spiel nicht. Aber nächstes Mal werden wir wieder diejenigen sein, die mit einem Lächeln vom Platz gehen werden“, sagt er in Hinblick auf das Heimspiel gegen den SV Babelsberg am Mittwoch, 19 Uhr. „Wir haben eine gute Mentalität und können wie heute über 90 Minuten kämpfen.“
Genau das beschwört auch Trainer Sven Köhler, wenn er nun deutlich optimistischer nach vorn blickt: „Wir haben unheimlich leidenschaftlich verteidigt und das eingebracht, was wir können.“ Und wenn das so viel ist wie am Mittwochabend, dann sollte der Klassenverbleib möglich sein.