Der VfB Auerbach ist mit einer bitteren Niederlage in die neue Oberliga-Saison gestartet. Beim VfL Halle 96 musste sich die Mannschaft von Cheftrainer Tommy Färber mit 1:2 (1:1) geschlagen geben. Dabei zeigte der VfB über weite Strecken eine starke Leistung und erspielte sich insbesondere nach dem Seitenwechsel zahlreiche hochkarätige Chancen. Am Ende fehlte lediglich die nötige Konsequenz im Abschluss.
Bei hohen Temperaturen entwickelte sich von Beginn an ein schnelles und intensives Spiel. Halle setzte auf seine schnellen Offensivspieler und lief den VfB immer wieder hoch an. Dadurch entstanden auf beiden Seiten Räume, die zu einem offenen und temporeichen Spiel beitrugen.
Früher Rückstand – Auerbach übernimmt das Spiel
Der VfL Halle erwischte den besseren Start. Bereits in der 4. Minute gingen die Gastgeber durch Aleksandar Mihov mit 1:0 in Führung. Dem Treffer war ein Tackling im Auerbacher Strafraum vorausgegangen. Die Entscheidung auf Strafstoß war dabei durchaus vertretbar – allerdings auch eine Situation, bei der man sicherlich unterschiedlicher Meinung sein kann.
Der frühe Rückstand brachte den VfB jedoch nicht aus dem Konzept. Spätestens ab der 15. Minute war Auerbach die bessere Mannschaft. Die Vogtländer versuchten, das Spiel selbst zu gestalten, kombinierten sich immer wieder nach vorne und setzten Halle zunehmend unter Druck.
Die Mannschaft zeigte eine gute Reaktion auf den Rückstand und belohnte sich kurz vor der Pause: In der 40. Minute traf Cedric Graf nach feiner Hereingabe von Guz zum verdienten 1:1-Ausgleich.
Chancen für mehrere Spiele
Auch nach dem Seitenwechsel blieb der VfB aktiv und suchte konsequent den Weg nach vorne. Bis zur 75. Minute erspielte sich Auerbach gleich sechs hochkarätige Torchancen.
Mehrfach fehlte nur noch der letzte Schritt zum Führungstreffer. In einigen Situationen war noch ein Hallenser Verteidiger im entscheidenden Moment dazwischen, in anderen fehlte beim Abschluss die nötige Präzision. Teilweise standen Auerbacher Spieler frei vor dem Tor und hätten die Partie zu diesem Zeitpunkt bereits zugunsten des VfB entscheiden können.
Doch Halle blieb gefährlich – und zeigte, wie effizient man mit Standardsituationen umgehen kann.
Halle trifft nach einer Ecke
In der 75. Minute schlug der VfL nach einer Ecke zu. Im Auerbacher Strafraum herrschte kurzzeitig Unordnung, die Dos Santos nutzte und den Ball per Kopf zum 2:1 für Halle ins Tor beförderte. Stanley war dabei ohne Chance.
Doch nur zwei Minuten später wurde die Aufgabe für die Gastgeber deutlich schwieriger: Dos Santos sah in der 77. Minute die Gelb-Rote Karte und musste das Spielfeld verlassen.
Halle konzentrierte sich anschließend nahezu ausschließlich auf die Defensive und lauerte auf Kontermöglichkeiten. Der VfB erhöhte den Druck und wollte unbedingt noch den Ausgleich erzwingen.
VfB drängt bis zum Schluss
Vor allem Yannic Voigt brachte nach seiner Einwechslung noch einmal viel Schwung in die Auerbacher Offensive. Er sorgte mit seinen Aktionen für zusätzliche Gefahr und hatte selbst eine große Möglichkeit zum Ausgleich.
Auch danach blieb der VfB dran. Halle traf zwischenzeitlich noch die Latte, gleichzeitig hatte Auerbach weitere hervorragende Möglichkeiten. Wieder und wieder tauchten die Vogtländer gefährlich vor dem Hallenser Tor auf.
Doch der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie.
Der Ausgleich wäre aufgrund des Spielverlaufs absolut verdient gewesen. Stattdessen musste der VfB nach dem Schlusspfiff mit leeren Händen die Heimreise antreten.
Viel Positives trotz bitterem Ergebnis
Natürlich war die Enttäuschung bei Spielern und Trainerteam nach dem Abpfiff groß. Hängende Köpfe waren angesichts der verpassten Möglichkeiten nicht zu vermeiden. Denn eines war an diesem Nachmittag deutlich zu erkennen: Der VfB hatte genügend Chancen, um in Halle nicht nur einen Punkt, sondern alle drei Punkte mitzunehmen.
Gleichzeitig zeigte die Mannschaft viele positive Ansätze. Trotz des frühen Rückstands blieb sie ruhig, übernahm zunehmend die Kontrolle und erspielte sich gegen einen starken Gegner eine Vielzahl bester Möglichkeiten. Auch nach dem erneuten Rückstand und der Überzahl-Situation gab der VfB nicht auf und kämpfte bis zur letzten Minute um den Ausgleich.
Die Erkenntnisse aus Halle gilt es nun mitzunehmen. Die Chancenverwertung muss besser werden, gleichzeitig hat die Mannschaft gezeigt, dass sie auch gegen einen starken Oberligisten spielerisch und offensiv mithalten kann.
Viel Zeit bleibt ohnehin nicht. Der Blick richtet sich bereits auf das nächste Highlight der noch jungen Saison:
Jetzt zählt nur das Vogtland-Derby
Am kommenden Wochenende wartet mit dem VFC Plauen das erste große Highlight der Saison. Im heimischen Stadion geht es nicht nur um die ersten Punkte, sondern auch um Prestige und die Vorherrschaft im Vogtland.
Die Mannschaft hat in Halle gezeigt, dass sie bereit ist. Jetzt gilt es, die Enttäuschung abzuhaken, die richtigen Lehren aus der Partie zu ziehen und den Fokus voll auf das Derby zu richten.
Die Saison hat gerade erst begonnen. Jetzt heißt es: aufstehen, weitermachen und angreifen! 🖤💛
Tore
1:0 Aleksandar Mihov (4.)
1:1 Cedric Graf (40.)
2:1 Dos Santos (75.)
Gelb-Rote Karte: Dos Santos (77., Halle)
Die Vorbereitung ist abgeschlossen – jetzt beginnt endlich wieder der Ernst des Fußballlebens. Am Sonntag, 09.08.2026, startet der VfB Auerbach in die neue Saison der NOFV-Oberliga Süd. Zum Auftakt reist unsere Mannschaft zum VfL Halle 96, Anstoß ist um 14:00 Uhr im Stadion am Zoo.
Nach intensiven Wochen mit zahlreichen Trainingseinheiten, einem erfolgreichen Trainingslager auf dem Rabenberg und überzeugenden Testspielen freuen sich Mannschaft, Trainerteam und Verantwortliche darauf, dass es endlich wieder um Punkte geht. Die Vorfreude im gesamten Verein ist riesig.
Anspruchsvoller Auftakt gegen einen Top-Gegner
Mit dem VfL Halle 96 wartet gleich zum Saisonstart eine der stärksten Mannschaften der Liga auf den VfB. Die Hallenser belegten in der vergangenen Saison einen starken 6. Tabellenplatz und stellten mit 68 Treffern eine der torgefährlichsten Offensiven der Oberliga Süd.
Besonders im Blickpunkt stehen die beiden Angreifer Jegor Jagupov und Joel Marks. Jagupov erzielte in der vergangenen Spielzeit beeindruckende 20 Tore, Marks steuerte weitere 12 Treffer bei. Mit Luka Vujanic verpflichtete Halle zudem einen Regionalliga-Spieler vom Halleschen FC, ebenso wechselte Torhüter Franz Lohse vom HFC zum VfL.
Ein bekanntes Gesicht gibt es auf Seiten der Gastgeber ebenfalls: Arlind Shoshi, der bereits in der Saison 2018/19 das Trikot unseres VfB trug, gehört inzwischen zum Kader der Hallenser.
Trainiert wird der VfL von Luca Shubitidze, dessen Vater aktuell Cheftrainer beim FC Erzgebirge Aue ist.
Erfolgreiche Vorbereitung auf beiden Seiten
Auch die Vorbereitung des VfL Halle 96 verlief überwiegend positiv. Niederlagen gab es lediglich gegen den VfB Merseburg (2:3), den SV Babelsberg 03 (1:3) und den FC Erzgebirge Aue (1:7).
Doch auch unser VfB blickt auf gelungene Wochen zurück. Das neue Trainerteam um Tommy Färber hat der Mannschaft in kurzer Zeit eine klare Spielidee vermittelt. Die intensiven Trainingseinheiten, außergewöhnlichen Belastungsreize und die überzeugenden Leistungen in den Testspielen haben gezeigt, dass das Team als Einheit zusammengewachsen ist und mit großer Motivation in die neue Saison geht.
Gute Erinnerungen an das letzte Gastspiel
An den Saisonauftakt der vergangenen Spielzeit erinnert man sich in Auerbach nur ungern. Damals musste sich unsere Mannschaft zum Start deutlich mit 0:5 geschlagen geben.
Umso schöner war die Antwort im Rückspiel: Beim 4:2-Auswärtssieg in Halle zeigte der VfB eine starke Leistung. Cedric Graf avancierte mit drei Treffern zum Matchwinner, den vierten Treffer erzielte Tim Kaiser.
Diese Leistung soll Mut für den kommenden Sonntag machen – wohl wissend, dass mit dem VfL Halle 96 erneut eine anspruchsvolle Aufgabe wartet.
Mit Mut und Überzeugung nach Halle
Cheftrainer Tommy Färber hat in den vergangenen Wochen immer wieder betont, welche Art von Fußball seine Mannschaft spielen soll: mutig, intensiv und mit klarer Offensivausrichtung. Entsprechend selbstbewusst reist der VfB nach Halle.
Die Marschroute ist klar: Angriff. Unsere Mannschaft möchte von Beginn an aktiv auftreten, den Gegner unter Druck setzen und mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung die ersten Punkte der neuen Saison mit ins Vogtland nehmen.
Personalsituation
Verletzungsbedingt muss der VfB Auerbach zum Saisonauftakt definitiv auf Jakob Pieles und Fritz Böttcher verzichten. Beide arbeiten intensiv an ihrer Rückkehr und werden die Mannschaft in Halle zunächst von außen unterstützen.
Unabhängig davon blickt der gesamte Verein mit großer Vorfreude auf den Ligastart. Die Mannschaft hat in den vergangenen Wochen hart gearbeitet und sich intensiv auf diese Aufgabe vorbereitet. Nun gilt es, die positiven Eindrücke aus der Vorbereitung auf den Platz zu bringen und gemeinsam den Grundstein für eine erfolgreiche Oberliga-Saison zu legen.
Das Interview mit Tommy Färber passend zum Saisonstart findet ihr unter: https://hidrive.ionos.com/lnk/HFnc5Q2yI
Auf geht’s, VfB! Gemeinsam in die neue Saison! 🖤💛
1. Tommy, du bist jetzt seit rund zwei Monaten beim VfB Auerbach. Wie fällt dein erstes Fazit aus? Was ist dein Eindruck von der Mannschaft, vom Umfeld aber auch vom gesamten Verein?
Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl, den Trainerposten hier zu übernehmen. Die Gespräche mit Ronny Kadelke und Michael Stöhr-Gäbler waren von Beginn an von gegenseitigem Respekt und großer Wertschätzung geprägt. Die DNA des VfB Auerbach ist der familiäre Zusammenhalt - und genau diesen habe ich vom ersten Tag an gespürt.
Mein Eindruck von der Mannschaft ist durchweg positiv. Mir wurde bewusst das Vertrauen entgegengebracht, den Kader nach meinen Vorstellungen mitzugestalten. Natürlich haben die Verantwortlichen dabei stets darauf geachtet, dass der finanzielle Rahmen eingehalten wird. Entscheidend ist aber, dass wir Spieler im Kader haben, die nicht in erster Linie auf das Geld schauen, sondern den Ehrgeiz besitzen, sich weiterzuentwickeln und sportlich anzugreifen. Genau diese Einstellung passt hervorragend zu meiner Philosophie und zu der des gesamten Trainerteams.
2. Rund um den VfB ist eine richtige Aufbruchsstimmung zu spüren. Die Fans freuen sich auf die neue Saison, gerade nach der vielversprechenden Generalprobe gegen den VfB Schöneck. Nimmst du diese Euphorie ebenfalls wahr und wie wichtig ist sie für den gemeinsamen Weg?
Natürlich freut es mich, wenn das so wahrgenommen wird. Ich bekomme immer wieder mit, dass mich Menschen ansprechen und sagen: „Tommy, ihr macht das echt richtig gut in Auerbach." Das ist eine schöne Wertschätzung für die Arbeit, die Michi und ich seit März mit viel Leidenschaft investiert haben. Wir haben praktisch rund um die Uhr miteinander telefoniert und gemeinsam am Kader sowie am Funktionsteam gearbeitet.
Die aktuelle Euphorie ist eine wichtige Grundlage für unseren gemeinsamen Weg. Die positive Energie - sowohl innerhalb der Mannschaft als auch von den Fans und dem gesamten Umfeld - kann das Team zusätzlich beflügeln. Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir als große Auerbacher Familie auch in schwierigen Phasen zusammenstehen. Rückschläge gehören im Fußball dazu. Entscheidend wird sein, dass wir dann gemeinsam weitermachen und den eingeschlagenen Weg konsequent verfolgen. Ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft viel erreichen kann - und wir alle haben richtig Lust auf diese Herausforderung.
3. Das Gesicht der Mannschaft ist größtenteils erhalten geblieben. Dazu sind einige interessante Neuzugänge aus unterschiedlichen Spielklassen und Vereinen gekommen. Wie bewertest du diesen Mix aus erfahrenen und jungen Spielern sowie den unterschiedlichen Charakteren innerhalb der Mannschaft?
Diese Mannschaft ist für mich ein Segen. Wir haben hungrig, talentierte Spieler und erfahrene Spieler, die den Laden lenken werden". Das größte Gut für mich ist, dass wir keine abgehobenen Spieler haben. Bodenständigkeit ist für mich super wichtig. Nach den letzten Wochen ist ein brutaler Zusammenhalt zu spüren. Die Aufgabe des Trainerteams wird es sein, diesen stets aufrecht zu erhalten. Spieler werden immer spielen wollen, aber das können wir nicht garantieren. Es liegt an jedem Einzelnen. Dennoch zeichnet sich die Mannschaft durch eine enorme Flexibilität aus. Wir sind in der Lage Positionen zu ersetzen und unterschiedliche Spielerprofile auf das Feld zu schicken. Diese Breite wird uns in der Saison enorm helfen.
Ein weiterer großer Pluspunkt für mich ist unser Trainer- und Funktionsteam. Der Zusammenhalt, den wir von der Mannschaft einfordern, wird von uns jeden Tag vorgelebt. Mit Sandy Trippner und Marcel Maschke habe ich zwei hervorragende Co-Trainer an meiner Seite, die nicht nur über enormes Fachwissen verfügen, sondern auch starke Führungspersönlichkeiten sind. Auch unsere medizinische und athletische Betreuung ist hervorragend aufgestellt. Mit Mannschaftsarzt Dr. Löschner, den Athletiktrainern Paul Schneider und Tom Mäusebach sowie den Physiotherapeuten Yannick Seyboth und Jens Richter verfügen wir über ein Team, das auf höchstem Niveau arbeitet. Gleiches gilt für unsere Torhüterabteilung: Unter der Leitung von Oliver Dix und Daniel Fröhlich erhalten unsere Torhüter ein qualitativ hochwertiges und professionelles Training. Hinzu kommt unsere Organisationsabteilung mit Roland Pöhler und Frank Löwe, die im Hintergrund einen herausragenden Job macht und dafür sorgt, dass der tägliche Ablauf reibungslos funktioniert.
Insgesamt sind wir personell und strukturell für Oberligaverhältnisse außergewöhnlich gut aufgestellt und genau das ist ein wichtiger Baustein für unseren gemeinsamen Weg.
4. Auffällig ist auch die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Gerade im Trainingslager hatte man den Eindruck, dass sich die Spieler untereinander hervorragend verstehen und als Team noch enger zusammengerückt sind. Auch merkt man dies wenn man die ein oder andere Trainingseinheit besucht: es wird zielstrebig gearbeitet, aber auch viel gelacht - die Jungs scheinen großen Freude am gemeinsamen Weg zu haben. Wie wichtig ist dir dieser Zusammenhalt und glaubst du, dass genau dieser Teamgeist in einer langen Oberliga-Saison den Unterschied ausmachen kann?
Also wenn ein Spieler ohne Lachen aus dem Training kommt, wurde etwas falsch gemacht. Der Spieler muss Freude bei dem haben, was er tut. Nur dann zeigt er entsprechende Leistungen. Diesen Reiz setze ich mit Sandy und Maschi in jedem Training. Wie ich es schon sagte, der Zusammenhalt kann für uns enorm vorteilhaft werden. Ich habe schon einige Mannschaften trainiert oder in diesen gespielt. Diese Energie, die gerade in der Mannschaft herrscht, wird uns in Halle helfen und hoffentlich in der gesamten Saison.
5. Viele Spieler berichten, dass das Trainingsniveau und die Leistungsanforderungen deutlich höher sind als in den vergangenen Jahren. Welche Philosophie steckt hinter deiner Arbeit und warum ist dir dieser hohe Anspruch so wichtig?
Sven Köhler hat hier über viele Jahre hinweg hervorragende Arbeit geleistet und als Trainer deutlich mehr erreicht, als ich bisher vorweisen kann. Deshalb möchte ich diesen Vergleich gar nicht ziehen - und ich finde auch nicht, dass er mir zusteht. Wenn die Spieler ihre eigenen Eindrücke oder Vergleiche äußern, ist das selbstverständlich ihr gutes Recht.
Wir sprechen im Fußball - gerade in Nachwuchsleistungszentren und Jugendmannschaften ständig von Entwicklung. Für mich stellt sich dabei die entscheidende Frage: Wann entwickelt sich ein Spieler eigentlich wirklich? Aus meiner Sicht nur dann, wenn er seine eigenen Grenzen kennt und bereit ist, sie zu verschieben. Das gilt nicht nur im Fußball, sondern im Leben allgemein. Entwicklung entsteht immer dann, wenn man den Mut hat, die eigene Komfortzone zu verlassen und über die bisherigen Grenzen hinauszugehen. Alles andere bleibt für mich oft nur eine Floskel.
6. Wer euch in der Vorbereitung beobachtet hat, hat gesehen, dass ihr nicht nur Fußball trainiert habt. Judo, Treppenlauf an der Vogtlandschanze oder intensive Athletikeinheiten - warum sind solche außergewöhnlichen Trainingseinheiten für dich ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung?
Ich bin ein großer Verfechter davon, Trainingsreize aus anderen Sportarten in unsere Arbeit einzubauen. Wenn eine Mannschaft sechs Wochen Vorbereitung ausschließlich auf dem Fußballplatz verbringt, lässt die intrinsische Motivation irgendwann nach. Mit neuen Reizen, ungewohnten Umgebungen und anderen Belastungsformen müssen sich die Spieler immer wieder neu anpassen, ihre Komfortzone verlassen und an ihre Grenzen gehen.
Das Training mit den Judokas war dafür ein perfektes Beispiel. In den Spielen zuvor hatte ich beobachtet, dass wir in vielen Balleroberungen den direkten Körperkontakt zum Gegner eher vermieden haben. Das hat mich nicht überzeugt. Deshalb wollten wir den Spielern vermitteln, was es bedeutet, Zweikämpfe konsequent anzunehmen und den Kontakt bewusst zu suchen.
Auch die Treppenläufe an der Skisprungschanze in Klingenthal waren für alle eine echte Grenzerfahrung - körperlich ebenso wie mental. Einige Spieler hatten Respekt vor der Höhe und berichteten sogar von Höhenangst. Trotzdem haben sie den Schanzentisch zweimal erklommen. Genau solche Erfahrungen schweißen eine Mannschaft zusammen und stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Für mich hatte diese Einheit zudem eine starke Symbolkraft: Schritt für Schritt dem Ziel näher kommen - genauso wie auf dem Fußballplatz. Spielzug für Spielzug arbeiten, Herausforderungen gemeinsam meistern und den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen, bis das Ziel erreicht ist.
7. Was dürfen die VfB-Fans in dieser Saison auf dem Platz erwarten? Für welche Art von Fußball soll der VfB Auerbach unter Tommy Färber stehen?
Schnell, wild, angriffslustig, bodenständig. Wir wissen, dass unser Team keine Bundesligamannschaft ist, wissen aber auch, welche Stärken wir besitzen. Und genau darauf richten wir unser Spiel auch aus.
8. Nach den zahlreichen Testspielen: Welche Spieler oder vielleicht auch welche Charaktere innerhalb der Mannschaft haben dich in den vergangenen Wochen besonders überrascht oder begeistert?
Ich könnte zu jedem einzelnen Spieler etwas sagen. Es gibt keinen, den ich da „auf die 1“ setzen würde. Mich begeistert unser Teamgefüge total und ich sehe es als Geschenk an, mit dieser Mannschaft arbeiten zu dürfen.
9. Vor dem Spiel gegen Schöneck hast du Cedric Graf zum neuen Kapitän ernannt. Warum fiel deine Wahl auf ihn und welche Eigenschaften machen ihn zu einem guten Kapitän für diese Mannschaft?
Die Wahl fiel schnell auf Cedric. Er ist ein Spieler, der kommuniziert, der der Mannschaft mitteilt, wenn es nicht läuft und sie wachrüttelt. Es war mir wichtig, „Leben“ in die Mannschaft zu bekommen. Mit der Binde wird er dies verantwortungsbewusst tun. Dennoch ist es mir wichtig zu sagen, dass die Kapitänsbinde ein Symbol auf dem Feld ist und die Möglichkeit, mit dem Schiedsrichter zu kommunizieren. Er wird deshalb keine Sonderbehandlung bekommen. Jeder Spieler darf sich bei uns einbringen.
10. Die Vorbereitung ist nun abgeschlossen. Wo steht deine Mannschaft heute und in welchen Bereichen siehst du bis zum Saisonstart oder auch darüber hinaus noch das größte Entwicklungspotenzial?
Ich mag diese Floskel „Wir wissen nach dem ersten Spieltag, wo wir stehen“ überhaupt nicht. Fakt ist, die Mannschaft hat eine Leistungsdiagnostik und zielgerichtetes Training bekommen. Sie wird in Halle topfit und konkurrenzfähig auflaufen. Und wenn wir dieses Spiel verlieren sollten, geht’s gegen Plauen mit Angriffsfussball weiter.
11. Am kommenden Sonntag startet ihr endlich in die Oberliga-Saison beim VfL Halle 96. Ihr habt eure Ziele intern besprochen – diese bleiben bewusst in der Kabine. Mit welchem Gefühl fährst du nach Halle und worauf wird es dort aus deiner Sicht besonders ankommen?
Unser Auftakt ist ein absoluter „Brocken“. Das wird in Halle ein totales Limitspiel werden. Wir haben den Gegner analysiert und werden die Mannschaft gut vorbereiten. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit viel Disziplin und dem Matchplan, der eingehalten wird, das Spiel gewinnen können. Ich bitte um Verständnis, dass wir diesen natürlich nicht preisgeben werden.
12. Was möchtest du den VfB-Fans zum Abschluss mit auf den Weg geben? Warum lohnt es sich, diese Mannschaft in dieser Saison Woche für Woche – egal ob zuhause oder auswärts – zu begleiten?
Die wichtigste Grundtugend eines Spielers ist für mich Resistenz. Wenn es nicht läuft, weiter Gas zu geben, es korrigieren zu wollen und immer wieder den Glauben an die eigenen Stärken haben. Das wünsche ich mir von den Fans ebenfalls. Diese können sich sicher sein, dass wir in jedem Spiel alles raushauen werden, was geht. Wenn Spieler das nicht tun, kriegen sie es durch Auswechslungen mitgeteilt. Wir müssen gemeinsam die DNA des Vereins wahren und zusammenhalten, dann werden wir erfolgreich sein. Der Auftakt kann auch nach hinten losgehen. Dann müssen wir Ruhe bewahren. Woche für Woche werden wir auf bodenständigen Angriff gehen. Es geht nur zusammen.
13. Zum Abschluss noch ein kleiner Blick in die Zukunft: Stell dir vor, wir sitzen am 22.05.2027 nach dem letzten Spiel in Halberstadt wieder zusammen. Was müsste in den vergangenen Monaten passiert sein, damit du sagen kannst: „Das war ein richtig erfolgreiches erstes Jahr beim VfB Auerbach“ – unabhängig von Tabellenplatz oder Punkten?
Die letzten Worte in der Frage sind mir wichtig. Fußball wird immer danach abgerechnet, wie viele Punkte und welche Platzierung man hat. Das wird auch so bleiben und mein Anspruch ist es auch, mit dem kompletten Team das Maximale herausrauszuholen. Am Ende würde es mich freuen, wenn wir eine Energie hinkriegen und alle sagen „unter dem Trainer war es wirklich gut!“
Vielen Dank Tommy für das angenehme und ausführliche Gespräch! Ich wünsche Euch und dem gesamten Team, sowie dem Trainergespann viel Erfolg für das erste Spiel und die anstehende Oberliga-Saison! Ich freue mich drauf
Christian Flechsig